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Strompreise 2016: Müssen Verbraucher mit Teuerungen rechnen?

Die Strompreise werden wohl zum Jahreswechsel wieder für viele Verbraucher steigen. Das liegt an der steigenden EEG-Umlage und den höheren Netzkosten. Eine noch größere Rolle spielt aber, in wie weit die Stromanbieter die Preissteigerung weitergeben, schließlich ist der Strom an der Börse so billig wie nie.

Geld sparen© gilles lougassi / Fotolia.com

Düsseldorf/Berlin (dpa/red) - Deutschlands Stromkunden müssen 2016 vielfach wieder tiefer in die Tasche greifen. Nur wenige Anbieter senken leicht die Strompreise, mehrere Versorger haben dagegen für das nächste Jahr schon Erhöhungen um durchschnittlich gut drei Prozent angekündigt, wie eine erste Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei großen Preisvergleichsportalen ergab. Das entspricht rund 40 Euro im Jahr für den Durchschnittshaushalt (4.000 Kilowattstunden). Grund sind vor allem gestiegene Umlagen und staatliche Abgaben. Vor allem bei den Netzkosten melden Grüne und Verbraucherschützer Zweifel an.

Stromanbieter zögern mit Erhöhungsbrief

"Nach der kurzen Verschnaufpause 2015 mit einem Rückgang um zwei Prozent läuten einige Versorger jetzt schon wieder die Kehrtwende ein", sagt Jan Lengerke vom Preisportal Verivox. Das Bild ist aber noch lange nicht komplett. Die Mehrzahl der mehr als 800 Strom-Grundversorger hat sich bisher nicht zu den Preisen geäußert.

Mögliche Erhöhungen zum neuen Jahr müssen die Stromkonzerne sechs Wochen vorher, also bis zum 20. November, ihren Kunden mitteilen. Erfahrungsgemäß schicken viele Unternehmen die unbeliebten Erhöhungsbriefe erst im letzten Moment.

Wer wird die Preise erhöhen?

Verivox verzeichnete bis Freitag zehn Preissenkungen um durchschnittlich gut zwei Prozent und zwölf Versorger mit Preiserhöhungen von im Schnitt 3,6 Prozent. Unter den Erhöhern ist der Großkonzern EnBW (Baden-Württemberg). RWE und Eon haben dagegen angekündigt, ihre Preise über die Jahreswende hinaus vorerst stabil zu lassen.

Strom ist in Deutschland mit am teuersten

Damit dürfte es 2016 wohl dabei bleiben, dass die deutschen Haushaltsstromkunden europaweit einen der höchsten Preise zahlen müssen. Im Frühjahr 2015 war der Strom nur in Dänemark teurer. In Deutschland wurden durchschnittlich gut 29 Cent pro Kilowattstunde verlangt.

Am Börsenpreis für die Strombeschaffung liegt es dabei nicht. Dort fällt und fällt der Preis, weil immer mehr geförderter Ökostrom auf den Markt drängt. Der Börsenpreis beträgt inzwischen nur noch 3 bis 4 Cent - etwa halb so viel wie 2011 - und unterschreitet gelegentlich sogar die Schallmauer von 3 Cent pro Kilowattstunde.

Staatliche Abgaben steigen 2016

Die Strombeschaffung macht aber nur etwa ein Viertel des Endpreises aus. Mehr als die Hälfte sind staatliche Umlagen - und hier gibt es 2016 gleich mehrere Erhöhungen. Die EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energie steigt um knapp 0,2 Cent auf 6,354 Cent pro Kilowattstunde. Fast 23 Milliarden Euro müssten die Stromkunden damit 2016 für die Erneuerbaren berappen, rechnet der Branchenverband BDEW vor. "Das verdeutlicht den nach wie vor vorhandenen Reformdruck bei der Erneuerbaren-Förderung", kritisiert BDEW-Chefin Hildegard Müller.

Verbraucherzentrale beklagt intransparente Preissteigerungen

Rund 23 Prozent des Preises entfallen außerdem auf die Netzentgelte für den Ausbau und Betrieb des Stromnetzes. Sie verteuern sich laut Verivox im Bundesschnitt um fast vier Prozent mit sehr starken regionalen Unterschieden und Ausschlägen um teils bis zu 15 Prozent. Vielfach blieben die Erhöhungen dabei weitgehend intransparent, beklagt der Energiefachmann Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Alle möglichen Zusatzkosten von der umstrittenen Braunkohlereserve bis zu den teuren Erdkabeln in Bayern und anderswo verschwänden in dieser "Blackbox".

Grüne: Stromanbieter haben viel Spielraum bei der Preisgestaltung

Im Netzbereich würden mittlerweile die Gewinne der Stromversorger eingefahren, kritisiert auch die Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn. "Das Gesetz lässt den Netzbetreibern größere Abrechnungsspielräume zum Schummeln, und die kontrollierende Bundesnetzagentur hat Probleme hier hinterherzukommen." Es sei fraglich, ob die Steigerungen in dieser Form gerechtfertigt sind, sagt die Grüne. Wer jetzt die Strompreise erhöhe, versuche möglicherweise auch einfach, im Windschatten der politischen Debatte seine Marge hochzutreiben, kritisiert Sieverding.

Bei Preiserhöhung das Sonderkündigungsrecht nutzen

Wer von seinem Stromanbieter über eine Preiserhöhung informiert wird, der kann von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Dabei empfiehlt es sich, schnellstmöglich per Einschreiben selbst zu kündigen, weil die Fristen oft sehr knapp ausfallen (meist 2 Wochen). Über unseren Stromvergleich ist schnell ein neuer Anbieter gefunden. Übrigens: Wenn der neue Stromanbieter nach der kurzen Zeit für den Wechsel den Strom noch nicht liefern kann, bleiben betroffene Kunden nicht ohne Strom. In der Übergangszeit muss der örtliche Stromversorger einspringen.

Quelle: DPA

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