Studie

Strompreis steigt schneller als Inflationsrate

Sowohl Gas- als auch Strompreis steigen in Deutschland schneller als die Inflationsrate. Die EU-Kommission vermutet gleich mehrere Ursachen für die Preisentwicklung. Auch auf Seiten der Unternehmen ist das Thema interessant: Deutsche Firmen zahlen deutlich mehr für Energie als in anderen Ländern.

Steigende Stromkosten© jogyx / Fotolia.com

Brüssel (AFP/red) - Deutschland leidet einer neuen Studie zufolge nicht allein unter steigenden Energiepreisen. Die Strom- und Gaspreise für europäische Verbraucher seien von 2008 bis 2012 im Schnitt "beträchtlich" angestiegen, erklärte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Die Steigerung habe in den meisten EU-Ländern höher gelegen als die Inflationsrate. Den Angaben zufolge kletterten die Strompreise für Privatkunden jährlich um vier und die Gaspreise um drei Prozent.

Preissteigerung auch für die Industrie

Die Abnehmerpreise für die Industrie stiegen danach ebenfalls, für Strom um 3,5 Prozent, für Gas allerdings um weniger als ein Prozent im Jahr. Dagegen waren die Großhandelspreise für Strom über den Gesamtzeitraum zwischen 35 und 45 Prozent gesunken. Beim Gas blieb der Großhandelspreis über den Gesamtzeitraum betrachtet in etwa gleich, erklärte die Kommission, die am selben Tag auch ihre Energie- und Klimaziele für 2030 vorstellte.

Kommission nennt mehrere Gründe

Für die unterschiedlichen Richtungen von Endpreisen für Verbraucher und Firmen einerseits und den Großhandelspreisen andererseits listete die Kommission ein Bündel möglicher Gründe auf. Die Abnehmerpreise würden in vielen Ländern weiterhin reguliert. Auf dem Markt herrsche zu wenig Wettbewerb. Die Kunden seien allerdings auch bei bestehendem Wettbewerb zu wenig wechselfreudig, erklärte die Kommission. Zudem sparten sie zu wenig Energie. Und die Kosten für Investitionen in die Infrastruktur würden an die Kunden weitergereicht.

Steuern und Abgaben stiegen am meisten

Eine der Ursachen für die Schere hat die Kommission besonders im Auge: die steigenden Steuern und Abgaben. Zwar machten sie nicht den Löwenanteil der typischen Energierechnung in Europa aus, seien aber der am stärksten steigende Bestandteil. Zu Steuern und Abgaben zählen allgemeine Steuern wie die Mehrwertsteuer, aber auch spezielle Abgaben wie die deutsche EEG-Umlage.

Im Vergleich sind EU-Preise deutlich höher

Mit Blick auf die Preise für die Industrie machen der EU-Kommission die Unterschiede zum Rest der Welt Sorge. Die EU-Industrie zahle mehr als doppelt so hohe Strompreise wie Unternehmen in den USA oder Russland und drei oder vier Mal so hohe Gaspreise. Dies beeinträchtige ihre Wettbewerbsfähigkeit. Auf der anderen Seite sei zum Beispiel die Stromversorgung in der EU meist verlässlicher - die hohen Preise seien auch das Entgelt dafür, befand die Kommission.

Quelle: AFP

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