Stromindustrie simuliert den Handel mit Treibhausgas-Zertifikaten per Mausklick

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Der Zusammenschluss der Stromproduzenten und -versorger in Europa EURELECTRIC führt eine Reihe von Simulationsprojekten durch, um die Mechanismen im elektronischen Handel mit Treibhausgas-Emissionszertifikaten zu untersuchen. Ziel hierbei ist es, die Realisierung eines börslichen Handels dieser Zertifikate per Internet innerhalb einer Gruppe von Teilnehmern zu testen. Angesprochen sind Energieerzeuger und Unternehmen mit hohem Energieverbrauch wie zum Beispiel die Montanindustrie und die chemische Industrie. Die virtuellen Handelsphasen laufen seit Mitte Februar und dauern bis Ende Juni an, eine Teilnahme an der Simulation ist für Unternehmen nach wie vor möglich.


Anlass und Hintergrund der Simulation ist der Handel mit Emissionszertifikaten, eine ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Möglichkeit, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Im Kyoto-Protokoll der Weltklimakonferenz wurden flexible Mechanismen zur Umsetzung der nationalen Vorschriften definiert - dementsprechend haben Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten, die von den einzelnen Staaten verabschiedeten Regelungen zur Reduktion ihrer CO2-Emmission zu erfüllen. Das Kyoto-Protokoll sieht hier neben der Verminderung des eigenen CO2-Ausstosses der Unternehmen unter anderem auch Investitionen in Klimaschutz-Projekte vor, die nicht in direkter Verbindung mit dem Unternehmen selbst stehen. Ein Beispiel: Ein deutsches Chemieunternehmen kann den Anforderungen der Bundesregierung zur Reduktion des CO2-Ausstosses nicht nur durch die Senkung der eigenen Emissionswerte gerecht werden, sondern zum Beispiel auch durch die Unterstützung eines Umweltschutzprojektes in Indonesien. Unternehmen erwerben hiermit auf unterschiedliche Weise Emissionszertifikate, die idealerweise auch börslich gehandelt werden.


Auf Basis des im Kyoto-Protokolls beschriebenen Handels mit Emissionszertifikaten wurde eine Simulation des Treibhausgas- und Elektrizitätshandels unter der Bezeichnung GETS 1 (Greenhouse and Energy Trading Simulation) durchgeführt. Auf den Erfahrungen dieser ersten Simulation baut nun der zweite Schritt, die derzeitige Simulation des Treibhausgas- und Energiehandels GETS 2 per Internet auf, deren Ergebnisse auf der Klimakonferenz in Den Haag im November 2000 präsentiert werden. PricewaterhouseCoopers organisiert für EURELECTRIC die Simulation des Handels, die Pariser Börse ParisBourse SBF unterstützt das Projekt durch hochmoderne Infrastruktur für den Internethandel. Bei GETS 2 können die virtuellen Gesellschaften ihren Handel auf Basis zweier unterschiedlicher Parameter führen: absolute Emissionsgrenze oder spezifische Emissionsziele. Die Simulation wird in drei aufeinanderfolgenden Phasen durchgeführt, in denen unterschiedliche Voraussetzungen und Modelle getestet werden. Die einzelnen Testphasen beinhalten die Simulation des Treibhaus-Zertifikatshandels für die Jahre 2000 - 2012 sowie die Reduktionsverpflichtungen von 2007 - 2012. Pricewaterhouse-Coopers wird hierfür in Absprache mit den Teilnehmern die Rahmenbedingungen und die individuellen Firmenprofile festlegen, die zunächst als Grundlage der Simulation dienen. Ebenso legen Experten von Pricewaterhouse-Coopers die Wachstumsvorgaben für jede Gesellschaft in jeder Phase der Simulation fest, sammeln und analysieren die Daten und fertigen den Entwurf des Abschlussberichtes an.


Eine Teilnahme an der Simulation ist zu jeder Phase nach wie vor möglich. Informationen hierzu unter www.gets2.org.


(ots)

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