Nach Luxemburg

Strombörse EEX: Verlagerung des Clearing-Geschäftes

Die Europäische Energiebörse EEX in Leipzig wird ihr außerbörsliches Handelsgeschäft im Strommarkt nach Luxemburg verlagern. Grund dafür seien die derzeit hohen Kosten durch Vorsteuerübergänge im Clearing-Geschäft. Die Arbeitsplätze in Leipzig sollen jedoch nicht gefährdet sein, so die Angaben des Unternehmensvorstand.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Leipzig (ddp.djn/red) - Der Grund für die Verlagerung nach Luxemburg seien die erheblichen Einbußen, die die EEX-Tochter ECC im sogenannten Clearing-Geschäft durch Vorsteuerüberhänge hinnehmen müsse, erläuterte Finanzvorstand Iris Weidinger in Leipzig. Der Schritt sei notwendig geworden, um "bestandsgefährdende Risiken" für die EEX zu beseitigen.

Die ECC müsse bislang täglich im Schnitt 1,5 Millionen Euro aufbringen, um diese Vorsteuerüberhänge zu finanzieren, sagte Weidinger. Pro Jahr summiere sich dies auf Zinskosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Der Weg nach Luxemburg sei mit allen Finanzbehörden abgesprochen und auch vom sächsischen Finanzministerium gebilligt, betonte Weidinger.

Das Tochterunternehmen soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Der traditionelle Börsenhandel ist davon laut EEX nicht betroffen, weil dort lediglich ein Preis gebildet werde, die EEX aber im Gegensatz zum Clearing-Geschäft kein Handelspartner ist. Beim Clearing wickelt die ECC das Geschäft für die beiden Handelspartner ab und garantiert so auch Bezahlung und Lieferung.

Vorsteuerüberhang bedeutet, dass die ECC von ausländischen Stromkäufern keine Mehrwertssteuer bekommt, diese aber an das Finanzamt abführen muss. Erstattet werde der Betrag von den Behörden erst nach durchschnittlich 45 Tagen. Und diese Frist habe bislang teuer mit Krediten finanziert werden müssen, erklärte EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel. Arbeitsplätze in Leipzig seien durch die Auslagerung nicht gefährdet. Im Gegenteil, die Einsparungen erlaubten es dem Unternehmen, weiter zu expandieren, sagte Menzel.

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