Blackout

Stromausfall-Chaos in Amerika: Zusammenbruch der Hochspannungsnetze in Deutschland unwahrscheinlich

In Nordamerika hat offenbar der Ausfall eine Höchstspannungsleitung zwischen den USA und Kanada zu einem Domino-Effekt geführt und die gesamte Versorgung zahlreicher Städte zusammenbrechen lassen. Rund 50 Millionen Menschen waren auf einen Schlag ohne Strom. In Nordamerika existiert eine Reihe einzelner und voneinander getrennter Stromnetze.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Seit mehr als zehn Stunden müssen die meisten Amerikaner ohne Strom auskommen. Um 16.11 Uhr Ortstzeit fiel in weiten Teilen Nordamerikas der Strom aus. Fahrstühle blieben stecken, U-Bahnen hielten an und die "neue Welt" verfiel in den Ausnahmezustand. Noch immer ist ungeklärt, wie es dazu kommen konnte, dass sich kettenreaktionsartig ein Kraftwerk nach dem anderen abschaltete.

Zustände wie in Amerika, wo das Stromnetz veraltet und heruntergewirtschaftet ist, sind in Deutschland unwahrscheinlich, haben verschiedene deutsche Energieversorger in ersten Reaktionen auf die Geschehnisse mitgeteilt. "In Deutschland und im übrigen Europa verhindern ausgefeilte Sicherungssysteme einen vergleichbar massiven Stromausfall", heißt es beispielsweise in einer Mitteilung der Energieversorgung Offenbach AG. Von Osteuropa über Deutschland bis Frankreich, Spanien und Portugal hätten die Energieversorger ein sogenanntes europäisches Verbundnetz geschaffen. Mit diesem System werden die Stromnetze stabil gehalten, selbst wenn Kraftwerke oder einzelne Leitungen ausfallen.

So würden Störungen sofort durch den Strombezug aus einem anderen Netzbereichen kompensiert. Ausreichende Reserven bei den Kapazitäten in den Netzen und bei den Kraftwerken seien vorhanden, berichtet der Vorstand der EVO weiter. Auch in anderer Hinsicht unterscheiden sich Deutschlands Sicherungssysteme wesentlich von denen der USA: Beim Ausfall eines Kraftwerks wird die Leistung anderer Kraftwerke im gesamten Verbundnetz laut EVO-Vorstand Dr. Kurt Hunsänger binnen Sekunden hochgefahren, damit die Stromversorgung gesichert bleibt.

Auch der Vorsitzende der VDI-Gesellschaft Energietechnik, Prof. H.-J. Wagner, hat eine derartige Stromausfallkatastrophe in Deutschland ausgeschlossen. "Das vorbildliche europäische Stromverbundnetz, das sich über alle europäischen Staaten aufteilt, ist in den USA über deren Einzelstaaten nicht gegeben. Zu dem langen Stromausfall in Nordamerika kam es, weil andere US-Staaten ihre vorhandenen Kapazitäten nicht zuschalten konnten." Trotz der anhaltenden Hitze in Deutschland sei mit einer unmittelbaren Gefährdung der Stromversorgung nicht zu rechnen, so Wagner weiter.

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