09.08.2012 | © Tarife.de

Prioritäten

Wirtschaftsminister: Netzausbau vor Naturschutz (Upd.)

Für die Umsetzung der Energiewende fordert der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) eine Lockerung der europäischen Naturschutzvorschriften. Seiner Meinung nach wird der Umstieg auf eine nachhaltige Energieversorgung misslingen, wenn man beim Tempo nicht anzieht. Der nicht schnell genug vorankommende Ausbau der Stromnetze steht derzeit der Energiewende im Weg.

Strom (Foto / Abb.: P. Kirchhoff / pixelio.de)

Wiesbaden (dapd/afp/red) - Der Vogelschutz sowie die sogenannte FFH-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume und der wild lebenden Tiere und Pflanzen verzögerten und verteuerten viele Infrastrukturprojekte zum Stromnetzausbau, sagte er am Donnerstag in Wiesbaden. Es gebe bereits Verspätungen beim Umbau des Netzes.

Netzausbau soll Vorrang vor Naturschutz haben

"Wenn wir die Realisierungszeiten nicht verkürzen, wird der Umstieg auf eine nachhaltige Energieversorgung misslingen", warnte Rentsch. Deshalb solle dem Netzausbau Vorrang vor den Naturschutzvorschriften eingeräumt werden, fügte er hinzu und unterstützte damit ausdrücklich entsprechende Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Zum Transport nachhaltiger Energie fehlten in Deutschland 3.800 Kilometer Stromleitungen.

Gegenstimmen

Die Grünen warfen Rentsch vor, Unfug zu erzählen. Weder der Natur- noch der Tierschutz stünden im Widerspruch zur Energiewende, sagte die Landtagsabgeordnete Ursula Hammann. Der hessische Minister unternehme offenkundig den Versuch, es seinem Parteivorsitzenden gleich zu tun und mittels populistischer Parolen Energiewende und Naturschutz gegeneinander auszuspielen.

Der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) hat der Forderung von Rösler widersprochen, zum beschleunigten Stromnetz-Ausbau Umweltvorschriften zu lockern. "Man darf in dieser Situation nicht den Fehler begehen, in der Natur Dinge kaputt zu machen, die dann auf Dauer nicht mehr wiederbringlich sind", sagte Huber am Donnerstag dem Bayerischen Rundfunk. Das geltende Planungsrecht sei ausreichend für den Bau neuer Stromtrassen.

Der CSU-Minister warnte davor, die Energieversorgung über den Umweltschutz zu stellen. "Klimawandel ist älter als Fukushima", sagte Huber und kritisierte den zu starken Fokus auf den Bau von Stromtrassen. Vielmehr müsse es gelingen, Sonnen- und Windenergie in Süddeutschland effizienter zu nutzen, zu speichern und zu puffern.

Newsletter kostenlos abonnieren

Info
Durch den "Gefällt mir"-Button werden Daten von Ihnen an Facebook übermittelt, durch den +1 Button werden Daten an Google übermittelt. Für weitere Infos besuchen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung, indem Sie auf das "i" klicken.

Diesen Artikel empfehlen

Das könnte Sie auch interessieren

Verbände fordern "Energie-Soli" statt EEG-Umlage Geld Ein breites Bündnis aus der Wirtschaft will die Energiewende einem Bericht zufolge über einen "Energie-Soli" statt über die Ökostrom-Umlage finanzieren. Demnach solle die Finanzierung komplett neu ausgerichtet werden, um die Energiewende auf tragfähige Füße zu stellen. weiter...
Regierung brechen Einnahmen für die Energiewende weg Geld Zur Finanzierung der Energiewende brechen der Bundesregierung die Einnahmen weg. Der staatliche Energie- und Klimafonds, aus dem wichtige Projekte der Energiewende finanziert werden sollen, verzeichnet offenbar momentan einen Fehlbetrag von rund 30 Millionen Euro pro Woche. weiter...
Privatleute können in Stromleitungen investieren Strom Deutsche Verbraucher können sich in Zukunft einen Teil ihrer gestiegenen Stromrechnung über gut verzinste Beteiligungen an neuen Stromleitungen zurückholen. Als erstes Projekt haben Bürger in Schleswig-Holstein die Chance, in eine geplante 380-Kilovolt-Leitung an der Nordseeküste zu investieren. weiter...
Berlin will offenbar weiterhin AKW-Ausbau fördern Kraftwerk Die Opposition hat sich empört über einen Bericht gezeigt, wonach Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auch künftig den Bau von Atomkraftwerken im Ausland mit deutschen Steuergeldern fördern will. Einem Medienbericht zufolge will der Minister an dieser Förderung festhalten. weiter...
Energiewende bringt stromintensiver Industrie sogar Vorteile Kraftwerk Die Energiewende bringt den stromintensiven Industriebetrieben in Deutschland nicht etwa Nachteile, sondern einer Studie zufolge sogar Vorteile. Die Wettbewerbssituation der Unternehmen habe sich in den vergangenen Jahren im europäischen Vergleich nämlich verbessert, weil der Strompreis in anderen Ländern stärker gestiegen sei. weiter...
Tipps zum Stromvergleich
Alles über Heizstrom
szmtag