17.08.2012 | © Tarife.de

Debatte

Niebel fordert Verkaufsstopp für Super E10

Die Bioenergie-Branche hat verwundert auf den von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) geforderten Verkaufstopp für den umstrittenen Kraftstoff E10 reagiert. Niebel hatte gesagt, Biosprit könne den Hunger in der Welt verstärken - außerdem sei es in Deutschland ohnehin nie angenommen worden.

Bonn (AFP/red) - In einem am Donnerstag veröffentlichten Offenen Brief an den Minister erklärte der Chef des Bundesverbandes BioEnergie, Helmut Lamp, er habe nach Berichten über die Dürre in den USA zwar mit solchen Forderungen gerechnet. "Nur nicht von Ihnen", schrieb der Verbandschef an Minister Niebel gerichtet.

Tanken Das neue Super E10 hat bislang keine Stürme der Begeisterung ausgelöst. (Foto / Abb.: ADAC) Niebels Ministerium habe zum Beginn der Amtszeit des Ministers "ein wirklich ausgewogenes Konzept hinsichtlich der Zielsetzungen der Bioenergie in Entwicklungsländern vorgestellt", erklärte Lamp. Deswegen wäre es "wünschenswert", wenn sich Niebel für nachhaltige Landwirtschaftssysteme in Entwicklungsländern einsetzte.

Was tut eigentlich die Entwicklungshilfe für den Landbau?

Stattdessen hätten sich die Auszahlungen der deutschen Entwicklungshilfe für zukunftsgerechte Landbaumethoden zwischen 1998 und 2006 auf 56,4 Millionen Euro mehr als halbiert, erklärte Lamp. "Es wäre interessant zu erfahren, wie sich seitdem die Förderung entwickelt hat und welche Projekte unterstützt werden."

Vier von fünf Hungernden auf der Welt seien Bauern oder Viehzüchter, schrieb der Verbandschef. Diese flüchteten etwa in afrikanischen Ländern häufig vor dem Hunger in die Städte, da sie durch Landbau nicht überleben könnten. Deswegen müssten verbesserte Anbaumethoden dort gefördert werden.

Niebel: Verbraucher wollen E10 ohnehin nicht

Minister Niebel hatte am Mittwoch einen Verkaufsstopp für E10 gefordert und kritisiert, gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen in Folge etwa von Dürreproblemen könne Biosprit zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen. Dazu kommt nach Ansicht Niebels, dass Verbraucher den Kraftstoff ohnehin nicht akzeptierten.

Super E10, das einen Anteil von zehn Prozent Bioethanol enthält, wurde ab Anfang 2011 an Deutschlands Tankstellen schrittweise eingeführt. Es steht schon seit langem auch bei Umweltschützern in der Kritik wegen Bedenken, die Nutzung von Ackerflächen für den Anbau von Pflanzen für die Spriterzeugung verknappe das Lebensmittelangebot und lasse dadurch die Preise steigen.

Diesen Artikel empfehlen:

Das könnte Sie auch interessieren

Vor Ostern günstig tanken Tanken Über Ostern fahren viele Deutsche zu Verwandten, besuchen Freunde oder unternehmen einen kurzen Ausflug ins Grüne. Die Spritpreise sind, wie so oft vor den Feiertagen, merklich gestiegen. Der ADAC empfiehlt deshalb, nicht nur die Preise in Deutschland zu vergleichen. weiter...
41 Prozent in Deutschland tanken E10 Tanken Laut einer aktuellen Umfrage tanken vier von zehn Deutschen E10 - um zu sparen, und auch der Umwelt zuliebe. Kritiker sehen aber eine höhere Belastung der Umwelt im Herstellungsverfahren des Biokraftstoffes und befürchten die Verknappung von Anbauflächen für Nahrungsmittel. weiter...
BP-Chef: E10 verteuert Spritpreise Tanken BP-Europa-Chef Michael Schmidt steht dem Biosprit E10 eher skeptisch gegenüber. Es mache das Tanken teurer und werde keine Unabhängigkeit vom Rohöl herbeiführen. Den Traum vom Kraftstoff aus Abfällen hält er dagegen für realistisch - als Biokraftstoff der zweiten Generation. weiter...
ADAC: Super ist gegenüber E10 viel zu teuer Tanken Der ADAC hält den Preisunterschied zwischen herkömmlichem Super und Super E10 mit zehn Prozent Biosprit-Anteil für ungerechtfertigt. Der Preisabstand sei mit rund vier Cent pro Liter "eindeutig zu hoch", sagte ADAC-Verkehrsexperte Jürgen Albrecht der Tageszeitung "Die Welt" vom Montag. weiter...
Neues Gesetz könnte das Aus für Super E10 bedeuten Tanken In der EU wird eine weitreichende Änderung der Vorgaben für Biokraftstoffe erwogen. Künftig sollten auch die negativen Klimafolgen rund um den Anbau der Pflanzen für diese Kraftstoffe berücksichtigt werden, hieß es aus Brüssel. Nach Ansicht von Umweltschützern müsste dies eigentlich das Aus für den umstrittenen Treibstoff E10 bedeuten. weiter...
Alle Tarif- und Preisangaben brutto. Trotz sorgfältiger Erstellung wird für die Richtigkeit keine Haftung übernommen. Beachten Sie Preise und AGB der Anbieter. Alle Angaben ohne Gewähr.