Verschätzt
Höhere Strompreise durch Entlastung der Industrie
Die Entlastung energieintensiver Unternehmen wird für Verbraucher voraussichtlich deutlich teurer als bislang angenommen. Die Zahl der Firmen, die eine seit 2011 geltende Sonderregelung in Anspruch nehmen wollen, sei viel höher ausgefallen als zunächst geschätzt, bestätigte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur am Montag einen Bericht der "Frankfurter Rundschau".
Bonn (afp/red) - Aktuell liegen demnach 277 Anträge vor. Als die Behörde die Kosten schätzen musste, waren es gerade einmal rund 100 Anträge gewesen. Im Zuge der Gesetze zur Energiewende hatte die schwarz-gelbe Koalition zunächst fast unbemerkt beschlossen, dass Unternehmen mit einem besonders hohen Stromverbrauch sich komplett von den Netzentgelten befreien lassen können. Weitere Unternehmen können die Entgelte auf ein Minimum drücken. Bedingung ist, dass der Stromverbrauch dabei möglichst gleichmäßig ist.
Kleine Verbraucher zahlen Aufschlag
Die Netzgebühren sollen den Betrieb und Ausbau der Stromnetze finanzieren. Um die Finanzierungslücke durch die Sonderregel zu schließen, müssen kleinere Energieverbraucher einen Aufschlag auf ihren Strompreis zahlen. Diese Umlage legte die Netzagentur im Dezember auf 0,151 Cent je Kilowattstunde fest - auf Grundlage der bis dahin eingegangenen etwa 100 Anträge. Dadurch sollten rund 300 Millionen Euro zusammenkommen.
Etliche Anträge wurden bereits genehmigt
Von den bislang vorliegenden 277 Anträgen wurden 178 genehmigt, wie die Sprecherin der Netzagentur sagte. Nur ein Antrag wurde abgelehnt. Bleibt die Genehmigungsquote derart hoch, dürften insgesamt also weit über 250 Firmen von den Netzentgelten ganz oder teilweise befreit werden. Das wären entsprechend rund zweieinhalbmal so viel wie bei der Festlegung im Dezember.
Umlage könnte im Oktober deutlich steigen
Entsprechend dürfte die Umlage bei der nächsten Festsetzung im Oktober deutlich steigen. Dabei müssen auch die höheren Kosten des vergangenen Jahres nachträglich hereingeholt werden. Denkbar wäre also eine Steigerung von den 0,151 auf 0,45 Cent je Kilowattstunde oder sogar mehr.
Ein typischer Vier-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden würde die energieintensive Industrie dann mit jährlich rund 16 Euro subventionieren, das sind über zehn Euro mehr als bislang. Insgesamt würden private Haushalte und kleine Unternehmen den Großverbrauchern dann mit bis zu einer Milliarde Euro unter die Arme greifen, wie die grüne Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn schätzt.
Das könnte Sie auch interessieren
EU: Wo die Strompreise am höchsten sind
Die deutschen Haushalte zahlen im EU-Vergleich mit am meisten für Strom. 100 Kilowattstunden Strom kosteten in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2012 durchschnittlich 26,8 Euro - mehr mussten nur Dänen und Zyprer mit jeweils mehr als 29 Euro zahlen, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Montagmitteilte. Auch wenn man die unterschiedliche Kaufkraft berücksichtigt, sieht es ähnlich aus.
weiter...
"Fragwürdige" Strompreiserhöhungen in der Kritik
Die Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel sind nach einer Studie der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in vielen Fällen überzogen gewesen. Jeder zweite Grundversorger wälzte demnach seine Zusatzkosten komplett auf die Verbraucher ab - oder griff ihnen sogar noch tiefer in die Tasche. Kritisch beurteilten die Verbraucherschützer auch die Informationspolitik der Stromanbieter.
weiter...
Netzentgelt-Erlass droht offenbar das komplette Aus
Die völlige Befreiung stromintensiver Unternehmen vom Netzentgelt steht Berichten zufolge vor dem Aus. Wie die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichteten, sollen die Betriebe künftig zwischen zehn und 20 Prozent der Netzkosten zahlen - gestaffelt nach ihrem Verbrauch.
weiter...
Befreiung stromintensiver Firmen von Netzgebühr gekippt
Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat die Regelung zur Befreiung stromintensiver Unternehmen von den Netzkosten für nichtig erklärt. Das Energiewirtschaftsgesetz bilde keine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Befreiung von den Netzentgelten, entschied das OLG am Mittwoch.
weiter...
Strompreise treiben Inflation in die Höhe
Die steigenden Strompreise haben sich zum Anfang des Jahres auch auf die Verbraucherpreise ausgewirkt. Nach Angaben des statistischen Landesamtes betrug die Inflationsrate im Januar im Vergleich zum Vorjahr 1,7 Prozent. Maßgeblichen Anteil an dem Anstieg hatten die Strompreise.
weiter...





