Rückschau und Prognose

Strom seit 2004 fast 40 Prozent teurer geworden

Infolge der Energiewende befürchten viele in Zukunft stark steigende Strompreise. Das unabhängige Verbraucherportal Verivox betont jedoch, dass sich die Energiewende unbedingt daran schuld ist. Strompreisentwicklungen in der Vergangenheit würden nicht darauf schließen lassen, der Trend nach oben ist jedoch deutlich - ob mit oder ohne Energiewende.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Heidelberg (red) – Die Ankündigung der deutschen Energiewende nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima löste teilweise Unmut aus. Vielerorts befürchtet man stark steigende Strompreise infolge einer mangelnden oder schwierigeren Energieversorgung. Das das nicht der Fall sein muss, erklärt das Verbraucherportal Verivox. Generell sei es kaum möglich, verlässliche Aussagen über die zukünftige Entwicklung des Strommarktes zu treffen.

Nur minimale Steigerungen durch EEG-Umlage

"Die politischen Entscheidungen, auf denen die Entwicklung der Energiekosten in Deutschland beruht, sind zum größten Teil noch nicht getroffen. Volkswirtschaftliche Modelle greifen daher bei Strompreisprognosen zu kurz", sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. "Steuern und Abgaben machen fast die Hälfte des aktuellen Strompreises aus. Da sich die Energiepolitik der letzten Jahre nicht durch Eindeutigkeit ausgezeichnet hat, kann auch die zukünftige Entwicklung kaum abgeschätzt werden."

Ein Beispiel hierfür sei die Entwicklung der EEG-Umlage im Jahr 2011. Im Vorfeld war von drastischen Strompreis-Steigerungen die Rede gewesen. Im Nachhinein war die Umlage zum Ausbau der erneuerbaren Energien in diesem Jahr für die Verbraucher jedoch kaum zu spüren gewesen. Statt dem deutlichen Preisanstieg wurde eine Strompreiserhöhung um minimal 0,06 Cent pro Kilowattstunde verzeichnet.

Wahlgeschenke im Bereich der Energiekosten?

Hinter der ausbleibenden Strompreiserhöhung vermutet man den politischen Willen, die Verbraucher im Jahre des Atommoratoriums nicht zu stark zu belasten. Ähnliche Manöver können ebenso auch in Zukunft eintreten.

Reese hält es für möglich, dass Verbraucher sinkende Energiekosten zunehmend als Wahlgeschenke bekommen. "So ist beispielsweise die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für Strom überfällig. Es ist absurd, dass Hotelübernachtungen und Schnittblumen als lebensnotwendige Güter gelten, auf die nur 7 Prozent Mehrwertsteuer bezahlt werden muss, während Elektrizität mit 19 Prozent besteuert wird. Eine Absenkung würde die Verbraucher um rund fünf Milliarden Euro pro Jahr entlasten."

Börsenpreise beeinflussen privaten Verbrauch nur bedingt

Entgegen der allgemeinen Vorstellung haben die Großhandelspreise nur weniger als ein Drittel Anteil am Endpreis für Strom. Sie bilden sich im Wesentlichen an der Strombörse EEX in Leipzig. Dort werden kurzfristige Stromlieferungen gehandelt und langfristige Termingeschäfte abgeschlossen.

Im März 2011 wurde jedoch deutlich, dass die Börse nur bedingten Einfluss auf die Strompreise der Verbraucher hat. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima schossen die Börsenpreise in die Höhe, der Anstieg des Preises für private Verbraucher allerdings blieb niedriger als im Vorjahr. Ebenso wenig wurden bislang jedoch Preissenkungen im Großhandelsbereich an Verbraucher weitergegeben.

Strompreiserhöhung auch ohne Energiewende

Im Blick auf die letzten Jahre lässt sich die Entwicklung der Strompreise nachvollziehen. So lag im Januar 2004 der Verivox-Verbraucherpreisindex Strom bei einem Kilowattstundenpreis von 17,7 Cent. Im April 2012 lag dieser Wert bereits bei 24,8 Cent pro Kilowattstunde, das entspricht einem Anstieg von circa 39 Prozent.

Durchschnittlich stiegen die Strompreise in den letzten Jahren um vier Prozent. Sollte diese Tendenz andauern, läge der Kilowattstundenpreis im Jahr 2020 bei 33,95 Cent und entspräche wiederum einer Steigerung um 37 Prozent. Für einen normalen Haushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch (mit Energiekosten um 990 Euro) würde das zusätzliche Kosten von 446 Euro jährlich bedeuten.

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