Prognose

Strom könnte um fast 13 Prozent teurer werden

Strom wird sich der Berechnung des Verbraucherportals Verivox zufolge im kommenden Jahr um fast 13 Prozent verteuern. Auf einen Vier-Personen-Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden Strom im Jahr kämen dabei Mehrkosten von 129 Euro zu. Der Grund für die derart steigenden Preise sind Erhöhungen in mehreren Bereichen.

Stromrechnung© Sergej Toporkov / Fotolia.com

Heidelberg (AFP/red) - Die Werte teilte Verivox am Freitag unter Berufung auf eigene Berechnungen mit. Der deutliche Preisanstieg kommt demnach zustande, weil gleich mehrere Komponenten, aus denen sich der Strompreis zusammensetzt, zum Teil deutlich zulegen.

Strompreise steigen aus mehreren Gründen

Demnach wird der Musterhaushalt beispielsweise künftig 211 Euro statt zuletzt 144 Euro jährlich an Ökostrom-Umlage zahlen müssen. Die Netznutzungsentgelte steigen laut Verivox für den Durchschnittshaushalt von 237 Euro auf 261 Euro. Erstmals wird 2013 vermutlich zudem eine Offshore-Haftungsumlage fällig. Das sind Entschädigungszahlungen, die anfallen, wenn die Besitzer fertiger Windparks auf hoher See keinen Strom einspeisen können, weil Netzanbindungen fehlen. Auch für diese Umlage müssen Betriebe mit sehr hohem Energieverbrauch weniger zahlen als die übrigen Letztverbraucher. Zehn Euro im Jahr veranschlagt Verivox für den Musterhaushalt.

Weil mit den genannten Posten der Netto-Strompreis steigt, wird auch eine höhere Mehrwertsteuer fällig: Statt 159 Euro muss der Vier-Personen-Haushalt dann 180 Euro an Umsatzsteuer berappen, sofern die Energieversorger alle Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben werden. Statt bisher 997 Euro kämen dann im nächsten Jahr insgesamt 1126 Euro an Stromkosten zusammen, eine Steigerung um 12,91 Prozent.

Normalerweise Erhöhungen im einstelligen Prozentbereich

"Die Strompreise steigen jedes Jahr, doch normalerweise bewegen sich die Erhöhungen im einstelligen Prozentbereich", sagte ein Verivox-Sprecher. Die bisher stärkste durchschnittliche Erhöhung sei im Januar 2011 gegenüber Januar 2010 aufgetreten, mit Mehrkosten von im Schnitt 6,3 Prozent.

Sozialverbände fordern mehr Hilfe für Ärmere

Angesichts der Prognosen erneuerten Sozialverbände ihre Forderung nach Hilfen für Bedürftige. "Grundsicherung und Hartz-IV-Regelsatz müssen schleunigst den gestiegenen Strompreisen angeglichen werden", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher der "Frankfurter Rundschau" vom Freitag. Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte, der Staat müsse die Stromkosten von Hartz-IV-Beziehern übernehmen und das Wohngeld erhöhen. Die Kosten dafür könnten "bequem finanziert werden" über die höheren Mehrwertsteuereinnahmen beim Strom, erklärte der Geschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider.

Schon heute gebe es "Energiearmut" in Deutschland, mahnte der Präsident der Volkssolidarität, Gunnar Winkler. In rund 600.000 Haushalten sei bereits 2011 wegen nicht bezahlter Rechnungen der Strom abgeschaltet worden.

Quelle: AFP

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