REPORT Mainz

Strahlung in Sellafield und La Hague zu hoch

Dem ARD-Politmagazin (Ausstrahlung: heute 21 Uhr ARD) REPORT Mainz liegen bisher unveröffentlichte Ergebnisse einer Studie vor, die die Strahlung in Sellafield und La Hague untersucht. Erschreckendes Ergebnis: Deutsche Grenzwerte werden in Sellafield um das zwanzigfache überschritten.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Das ARD-Politmagazin REPORT Mainz enthüllt in seiner heutigen Ausgabe Ergebnisse einer von Bundesumweltminister Jürgen Trittin in Auftrag gegebenen Studie zur Strahlenbelastung bei der atomaren Wiederaufarbeitung in Frankreich und in England. Der Untersuchung zufolge werden die deutschen Immissionsgrenzwerte in La Hague um den Faktor sieben überschritten, in Sellafield um den Faktor 20.


Die Studie trägt den Titel "Ermittlung der möglichen Strahlenexpositionen der Bevölkerung aufgrund der Emissionen der Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague". Sie wurde von den Autoren Antje Benischke und Christian Küppers vom Öko-Institut in Darmstadt dem Umweltministerium nachgeordneten Bundesamt für Strahlenschutz bereits im Februar 2000 vorgelegt, jedoch bis heute nicht veröffentlicht. Wolfgang Köhnlein, Strahlenbiologe an der Universität Münster und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Strahlenschutzkommission sagte in REPORT Mainz, er halte die in der Studie ermittelte Strahlenbelastung für "nicht zumutbar, denn sie bedeutet, dass es Menschen geben wird, die dort wohnen, die infolge dieser Emissionen aus den kerntechnischen Anlagen krank werden, beziehungsweise ihre Kinder erkranken werden, und das würden sie nicht, wenn es diese Anlagen nicht gäbe." Prof. Alexander Roßnagel, Atomrechtsexperte an der Universität Kassel, hält die Studie für juristisch relevant: "Die Brisanz dieser Studie besteht darin", so Roßnagel, "dass - die Richtigkeit unterstellt - die deutschen Betreiber gegen § 9 a Atomgesetz verstoßen, in dem sie verpflichtet werden, die Entsorgung schadlos durchzuführen. Und die Studie scheint nachzuweisen, dass die Entsorgung in La Hague und Sellafield nicht schadlos erfolgt."

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