Stellungnahme

Strahlenschutzamt dementiert illegalen Gorleben-Ausbau

Zum Bericht der Frankfurter Rundschau über den "Schwarzbau Gorleben" hat das Bundesamt für Strahlenschutz nun Stellung bezogen. Demnach seien sowohl die Erkundung als auch der Ausbau Gorlebens zulässig gewesen. Allerdings habe man sich schon mehrfach über die Höhe der Kosten gewundert, hieß es.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Salzgitter (afp/red) - Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat der Darstellung widersprochen, der Salzstock Gorleben sei illegal bereits zu einem Atommüll-Endlager ausgebaut worden. "Der Umfang des Ausbaus ist durch das Bergrecht genehmigt", erklärte die Behörde am Donnerstag in Salzgitter. Richtig sei allerdings, dass beispielsweise Schachtanlagen und Gebäude bereits im Hinblick auf eine spätere Nutzbarkeit für ein Endlager ausgelegt worden seien.

Die "Frankfurter Rundschau" hatte in ihrer Donnerstagsausgabe von einem in den 80er Jahren begonnenen illegalen Ausbau des Salzstocks Gorleben zu einem atomaren Endlager berichtet. Das Blatt berief sich dabei auf eine interne Bewertung des BfS. Die "bisherigen Erkundungskosten" hätten außerordentlich hoch gelegen, "was jedoch darin begründet liegt, dass hier parallel zur Erkundung bereits der Ausbau zum Endlager begonnen wurde", heißt es darin dem Bericht zufolge. Bisher gibt es für Gorleben nur Genehmigungen zur untertägigen "Erkundung", ob der Salzstock für ein Endlager geeignet ist. Das BfS ist Gorleben-Betreiber.

"Die Erkundungslüge ist aufgeflogen", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, der "FR". Die Errichtung eines Endlagers ohne Eignungsaussage und ohne Planfeststellungsbeschluss sei klar rechtswidrig. Die Bürgerinitiative, die seit Jahren gegen ein Atommülllager Gorleben kämpft, forderte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, endgültig auf den Standort Gorleben zu verzichten. Nur dadurch lasse sich das Vertrauen in einen fairen Suchprozess wiedergewinnen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz dementierte die Existenz der von der "FR" zitierten Stellungnahme. Allerdings sei richtig, dass bereits mehrfach festgestellt worden sei, dass die Kosten in Gorleben höher seien, als es allein für eine Erkundung notwendig wäre. "Die Anlagen sind für den Fall der nachgewiesenen Eignung im Hinblick auf ihre spätere Nutzbarkeit beziehungsweise Ausbaufähigkeit für das geplante Endlager ausgelegt worden", hieß es in der Erklärung weiter. "Bei einem vergleichenden Auswahlverfahren (...) wäre die Erkundung von alternativen Standorten deshalb mit geringerem Aufwand möglich."

"Gorleben ist ein Erkundungsbergwerk und kein Endlager für radioaktive Abfälle", stellte das BfS weiter klar. Die Eignung des Salzstocks für ein Endlager könne derzeit noch nicht beurteilt werden. Eine solche Eignungsaussage könne nur mit einem Planfeststellungsbeschluss im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren getroffen werden. Dies könne frühestens in etwa 15 Jahren geschehen. Das BfS wies auch darauf hin, dass es bislang weltweit noch kein Endlager für hochradioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken zur Stromerzeugung gebe. In einer Wanderausstellung informiert das BfS seit diesem Donnerstag zunächst in Hannover über die wissenschaftlich komplexe Endlagerproblematik.

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