Nachrechnen

Steuerbescheid prüfen: Neue Regeln für außergewöhnliche Belastungen

Wer kürzlich seinen Steuerbescheid erhalten hat und dabei auch außergewöhnliche Belastungen geltend machen wollte, der sollte die Rechenweise prüfen. Unter Umständen wurden neue und womöglich begünstigende Regeln nicht berücksichtigt.

Geld© Alfred Wimmer / Fotolia.com

Berlin - Steuerzahler sollten Kosten für eine neue Brille, Zahnersatz oder Zuzahlungen zu Medikamenten in der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. "Dies lohnt sich jetzt um sehr mehr, denn der Bundesfinanzhof hat eine neue Rechenregel für außergewöhnliche Belastungen aufgestellt, die für Steuerzahler günstiger ist", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Betroffene sollten prüfen, ob die neue Rechenweise in ihrem Steuerbescheid berücksichtigt wurde.

Kein Stichtag für die neue Regelung

Zwar hat das Bundesfinanzministerium am 1. Juni mitgeteilt, die günstigere Rechenregel grundsätzlich anzuwenden. Allerdings fehlt ein Stichtag, ab wann die Finanzämter die geänderte Berechnungsweise im Steuerbescheid berücksichtigen. Steuerzahler, die kürzlich ihren Steuerbescheid erhalten haben, können sich also nicht darauf verlassen, dass bei ihnen die bessere Rechenweise angewendet wurde.

Zumutbare Eigenbelastung und Steuerminderung

Zum Hintergrund: Bestimmte Kosten dürfen als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Erst wenn die sogenannte zumutbare Eigenbelastung überschritten ist, werden die Kosten aber vom Finanzamt steuermindernd berücksichtigt. Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Zumutbarkeitsgrenze in Stufen berechnet wird (Az.: VI R 75/14). "Dieser Rechenweg führt dazu, dass die Grenze der zumutbaren Eigenbelastung früher erreicht wird und deshalb womöglich mehr Kosten von der Steuer abgesetzt werden können", sagt Klocke.

Anspruch online prüfen

Wer prüfen möchte, ob das Finanzamt die neue Rechenweise angewendet hat, kann die Rechner der Finanzverwaltung nutzen. Unter anderem die Oberfinanzdirektion Niedersachsen stellt auf ihren Internetseiten einen aktualisierten Onlinerechner zur zumutbaren Eigenbelastung zur Verfügung. Hat das Finanzamt die neue Rechenweise nicht angewandt, sollte Einspruch gegen den Steuerbescheid erhoben werden.

Quelle: DPA

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