Ölförderung

Steigender Ölpreis macht Fracking wieder lukrativ

Dank steigender Ölpreise lohnt sich das Fracking in den USA allmählich wieder. Die über die umstrittene Technik geförderten Mengen hatten den Einbruch des Ölpreises mit verursacht.

Fracking© Nightman1965 / Fotolia.com

Frankfurt – Kein Land der Welt setzt bei der Förderung von Rohöl so stark auf die umstrittene Fracking-Technik wie die USA. Nach einem beispiellosen Absturz der Ölpreise musste eine große Zahl von Fracking-Firmen das Handtuch werfen, viele Bohrlöcher wurden außer Betrieb gesetzt. Derzeit scheint sich das Blatt aber wieder zu wenden. Nachdem der Ölpreis seit Beginn des Jahres um etwa 80 Prozent gestiegen ist, wird das relativ kostspielige Fracken nach Öl wieder attraktiv. Die Zahl der Bohrlöcher, in denen die umstrittene Technik zum Einsatz kommt, steigt.

Neue Fracking-Projekte lohnen sich wieder

"Wir sind beim Ölpreis wieder in Regionen, in denen sich neue Frackingprojekte lohnen können", sagte Rohstoffexperte Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Jüngste Daten der amerikanischen Ölausrüsterfirma Baker Hughes untermauern diese Einschätzung. Demnach ist die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA in vier der vergangenen fünf Wochen gestiegen auf zuletzt 341 Bohrlöcher.

Damit kommt wieder verstärkt eine Technik zum Einsatz, die Kritiker als gefährlich für die Umwelt brandmarken. Unter hohem Druck wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter die Erdoberfläche gepresst. Dadurch wird das Gestein aufgebrochen, durch die Risse kann das Rohöl hindurchströmen. Vor allem im US-Bundesstaat Texas wird auf diese Weise in großem Stil Öl gefördert, das im Schiefergestein versteckt ist.

Fracking-Boom sorgte für Einbruch der Ölpreise

Ölpreise von deutlich mehr als 100 Dollar hatten zu einem sprunghaften Anstieg der Bohrlöcher in den USA geführt. Unter anderem der Fracking-Boom sorgte für ein starkes Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt, das schließlich Mitte 2014 einen heftigen Einbruch der Ölpreise auslöste. Seitdem gingen die Bohraktivitäten in der Tendenz zurück und konnten sich erst zuletzt wieder stabilisieren. "Das Niveau ist mit 341 aktiven Bohrungen immer noch etwas mehr als halb so hoch wie vor einem Jahr", lautet die Einschätzung des Rohstoffexperten Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Die Fracking-Technik hat nämlich einen gravierenden Nachteil: Sie ist deutlich teurer als die herkömmliche Förderung auf den großen Ölfeldern am Persischen Golf. Vor allem Saudi-Arabien kann unschlagbar günstig das Öl nahe der Oberfläche aus dem Sand pumpen und so niedrige Ölpreise besser verkraften.

Fracking ist flexibler als Bohrungen

Gleichzeitig hat die Fracking-Technik aber auch einen enormen Vorteil, der jetzt langsam zum Tagen kommt: Sie kann nämlich vergleichsweise schnell auf veränderte Marktbedingungen reagieren. Bei der konventionellen Ölförderung dauert es Jahre, bis ein Ölfeld erschlossen wird und die Förderung beginnen kann. Fracking-Unternehmen können dagegen in kurzer Zeit auf höhere Ölpreise reagieren. Zuvor geschlossene Bohrlöcher können binnen Wochen in Betrieb genommen werden.

Einen Bremsklotz gibt es aber dennoch für die amerikanischen Öl-Fracker. Sie kommen nicht mehr so einfach an nötige Bankkredite, um ihre Förderanlagen in Betrieb zu setzen wie in der Boomphase der Fracking-Industrie. "Die Entwicklung dürfte von den Banken gebremst werden, die bei der Kreditvergabe an Fracking-Firmen inzwischen etwas genauer hinschauen", sagt Klumpp.

Fracking könnte vor einem Comeback stehen

"Dennoch: Wir könnten beim Fracking vor einem Comeback stehen", prognostiziert Klumpp. Seiner Einschätzung nach dürften für eine nachhaltige Trendwende aber Ölpreise von über 45 US-Dollar je Barrel nötig sein. Auch Commerzbank-Experte Weinberg geht davon aus, dass bei einem Preisniveau von etwa 50 Dollar das Bohren nach Öl für einige Schieferölfirmen in den USA wieder lukrativ ist.

Auch wenn die Bohrlöcher in den USA vergleichsweise schnell zum Sprudeln gebracht werden können: Nach Einschätzung von Klumpp kann es noch Monate dauern, bis es wieder zu einem nennenswerten Anstieg der Fördermengen in den USA kommt. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", sagt der LBBW-Experte.

Quelle: DPA

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