Kleine Anfrage

Steigende Strahlenbelastung bei Brennelemente-Revision

Eine Brennelemente-Revision geht mit einem Anstieg der Strahlenbelastung in der Umgebung des AKWs einher. Das wurde in der Antwort auf eine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen an die niedersächsiche Landesregierung festgestellt. In Reaktion darauf wurde Besorgnis über eine verstärkte Gesundheitsgefährdung bei Revisionen geäußert.

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Hannover/Grohnde (dapd/red) - Die Strahlenbelastung am Atomkraftwerk Grohnde steigt nach Angaben der Grünen während der jährlichen Brennelemente-Revision deutlich an. Dies gehe aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hervor, wie der der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd mitteilte. Während der AKW-Revision im Jahr 2011 sei etwa die tägliche radioaktive Belastung der Schilddrüse bei Erwachsenen und Kindern durch Inhalation rund fünfmal so hoch gewesen wie im Monat davor.

Ausmaß der Strahlenbelastung ist laut Ministerium genehmigt

Das Atomkraftwerk an der Weser war im vergangenen Jahr vom 2. Mai bis 15. Juni für den jährlichen Brennelementewechsel und Reparaturarbeiten heruntergefahren worden. Nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover wurden in diesem Zeitraum bezogen auf das ganze Jahr 66 Prozent der radioaktiven Edelgase, 52 Prozent des radioaktiven Jods sowie 71 Prozent der an Aerosole - also an ein Gemisch aus Schwebeteilchen und Gas - gebundenen radioaktiven Partikel abgegeben.

Nach der dapd vorliegenden Antwort der Regierung auf die Fraktionsanfrage stieg im Revisionszeitraum die tägliche Belastung der Schilddrüse bei Erwachsenen von 0,62 E-10 Millisievert auf 3,18 E-10 Millisievert. Bei Kleinkindern im Alter von ein bis zwei Jahren erhöhte sich der Wert von 1,15 E-10 auf 5,98 E-10 Millisievert. Das Umweltministerium in Hannover betonte jedoch, die in der Genehmigung für das AKW Grohnde festgelegten Grenzwerte seien eingehalten worden.

Besorgnis über Strahlenbelastung während der Revision

Der Grünen-Abgeordnete Meyer bezeichnete den Anstieg der Strahlenbelastung während des Brennelementwechsels dagegen als "alarmierend". Die These, dass während der Revision besonders viele radioaktive Stoffe an die Umgebung abgegeben werden, scheine zu stimmen, sagt er.

Die atomkraftkritische Ärzteorganisation IPPNW hatte bereits im Frühjahr vor starker Strahlung von Atomkraftwerken beim Wechseln der Brennstäbe gewarnt und diese als mögliche Ursache für die erhöhte Zahl von Kinderkrebsfällen in der Umgebung der Reaktoren bezeichnet.

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