Standpunkt: Offshore-Windenergie natur- und umweltverträglich nutzen

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com
Zu den Ergebnissen einer Fachrunde zur Windenergie-Nutzung in Nord- und Ostsee erklären Michaele Hustedt, energiepolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen und Sylvia Voß, naturschutzpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen:


Mit dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat die rot-grüne Koalition die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb von offshore-Windkraftanlagen geschaffen. Bislang liegen dafür Projekte mit einem Volumen von knapp 10.000 Megawatt (MW)und beinahe 20 Milliarden DM Investitionsvolumen vor. Die ersten Anlagen sollen sich schon in zwei bis drei Jahren auf hoher See drehen.


Bei der Errichtung von offshore-Windanlagen gilt es jedoch, die Belange von Klimaschutz und Umweltschutz miteinander in Einklang zu bringen. Der Beitrag der Windenergie zum Klimaschutz wird für Deutschland auf 25 000 MW geschätzt. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn die Windenergie auch innerhalb der 12 Meilen-Zone und in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee genutzt wird. Daraus ergeben sich eine Reihe von offenen Fragen und Nutzungskonflikten, die wir bei einer Fachrunde mit Vertretern der verschiedenen Interessengruppen erörtert haben. Beteiligt waren Vertreter der Bundesministerien für Umwelt, Wirtschaft und Verkehr, Rechtswissenschaftler, Verbände des Umwelt- und Naturschutzes, der Erneuerbaren Energien, der Fischerei und der Segler, sowie Hersteller, Betreiber und Planer von Windkraftanlagen. Die Teilnehmer kamen zu dem Ergebnis, dass es eines kooperativen Ansatzes aller Beteiligten bedarf, wenn die Windenergie in Deutschland nicht nur an Land (onshore), sondern auch im Meer (offshore) eine Zukunft haben soll.


Bei der Realisierung von Windanlagen müssen vor allem Fragen des Naturschutzes, der Schifffahrtssicherheit, der Fischerei und der Landesverteidigung berücksichtigt werden. Darüber hinaus sind noch die technologischen Voraussetzungen für offshore-Windkraftanlagen zu schaffen, die mit einer Dimension von drei bis fünf MW erst noch an Land eine Erprobungsphase zu durchlaufen haben. Bei der Fachrunde ist deutlich geworden, dass Nord- und Ostsee schon seit langem verschiedenen - und zum Teil stark umweltbelastenden - Nutzungen unterworfen sind: Dazu zählen neben Gefahrenguttransporten auch die verschiedenen Formen militärischer Nutzung und der Rohstoff-Gewinnung. Daher unterstützen wir den Vorschlag von Bundesumweltminister Jürgen Trittin, bei der Nutzung der Windenergie die ökologischen Auswirkungen auf die Meeresumwelt und die Tiere umfassend zu untersuchen und zu berücksichtigen. Für die Erforschung dieser Fragen stehen in den nächsten Jahren 45 Millionen DM zusätzlich zur Verfügung. Diese Untersuchungen dürfen allerdings nicht darauf hinauslaufen, dass die Nutzung der Windenergie ausgeschlossen wird. Am geeignetsten wäre daher, so bald wie möglich Projekte zu realisieren, um praktische Erfahrungen zu sammeln.


Wir sehen es weiterhin als unsere zentrale Aufgabe an, den notwendigen Diskussionsprozess zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu moderieren und die - gerade für den Klimaschutz zentrale - Nutzung der offshore-Windenergie natur- und umweltverträglich zu ermöglichen.

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