Standpunkt: Ein Konsens ohne uns ist keiner!

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com
Anlässlich der Aktuelle Stunde des Bundestages zu den Energiekonsensgesprächen forderte die Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUNDjugend) in Berlin den Sofortausstieg aus der Kernenergie. "Konsens ist Nonsens," so Sören Janssen, atompolitischer Sprecher der BUNDjugend, "vor allem, wenn sich die Politik von der Industrie belügen lässt!" Damit kommentierte er die jüngst bekannt gewordenen Fälschungen von Papieren zu plutoniumhaltigen Metallmischoxid (MOX)-Brennelementen im Atomkraftwerk Unterweser. Janssen weiter: "Während die Strommultis uns billigen Atomstrom verkaufen wollen, wird das Sicherheitsproblem der Kernenergie unter den Teppich gekehrt. Die Kernenergie verursacht ein ungelöstes Müllproblem und ist de facto einfach nicht beherrschbar. Und wenn trotz der höchsten Sicherheitsstandards und Vorschriften Fälschungen über Jahre hinweg möglich sind, stehen wir vor einem noch größeren Problem, als der Öffentlichkeit bisher bewusst ist."


Der für die Fälschungen verantwortlich gemachte Konzern British Nuclear Fuels, Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield, steht seit einigen Tagen im In- und Ausland unter heftigem Beschuss. Japan will gelieferte MOX-Brennelemente nach Großbritannien zurückbringen lassen, weil "erhebliche Mängel" festgestellt wurden. Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf bei der BNFL bringen die Firma auch in England in die Diskussion. Preussen Elektra, Betreiber des AKW Unterweser, kündigte zwar vorsichtig "eine Überprüfung der Zusammenarbeit" mit der BNFL an, dies geht der BUNDjugend aber nicht weit genug. Die Entscheidung über eine Zwangsabschaltung des AKW Unterweser wurde am Mittwoch mittag nach Beratungen des Bundesumweltministeriums und des Niedersächsischen Umweltministeriums verschoben. Diese Entscheidung kritisiert die Jugendorganisation scharf. Ein Gefahrenpotenzial sehe das Umweltministerium derzeit nicht. Das sieht die BUNDjugend anders - "der Umweltminister Trittin wohl auch." Der PreussenElektra schlug er vor, der Umwelt zuliebe freiwillig abzuschalten. "Die hat jedoch das rundweg abgelehnt.", so Janssen. Das Niedersächsische Umweltministerium hatte noch am Mittwoch morgen verlauten lassen, dass über eine Abschaltung "nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit entschieden wird." Die BUNDjugend merkte hierzu an, dass jedem Auto in Deutschland die TÜV-Prüfplakette und Zulassung aberkannt wird, wenn Fälschungen an Papieren vorgenommen werden. Ein Atomkraftwerk stelle jedoch ein erheblich höheres Gefahrenpotenzial als ein Auto dar.


Die BUNDjugend machte in Berlin noch einmal ihre Position zu den stockenden Atomkonsensgesprächen deutlich: auch dreißig Jahre Gesamtlaufzeit seien deutlich zu viel. "Eine Technik die sich als unbeherrschter erweist muss sofort abgeschaltet werden. Es ist grob fahrlässig bei einem weiterhin ungelösten Entsorgungsproblem Atommüll zu produzieren", so Janssen. Gleichzeitig warnte er die Politik und Betreiber vor dem Widerstand der Bevölkerung. "Wir werden alles erdenklich tun um einen weiteren Betrieb von Atomanlagen unmöglich zu machen", betont Sören Janssen.

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