Standpunkt: Atomskandal in England - Auch Sicherheitsdaten von deutschen Brennelementen gefälscht

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com
Zum Skandal über die gefälschten Sicherheitsdaten einer englischen Firma veröffentlichte die Umweltschutzorganisation Greenpeace folgendes Statement:
Im niedersächsischen Atomkraftwerk Unterweser sind Plutonium-Brennelemente im Einsatz, deren Sicherheitsdaten vom Hersteller British Nuclear Fuels (BNFL) gefälscht wurden. Das geht aus dem am vergangenen Freitag in London veröffentlichten Bericht der britischen Atomaufsichtsbehörde (NII) hervor, durch den die Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield in schwere Bedrängnis geraten sind. Demnach wurden bereits seit 1996 Unterlagen über die Sicherheit von Plutonium-Brennstoff für Atomkraftwerke gefälscht, wovon auch deutsche Lieferungen betroffen waren. Der NII-Bericht widerspricht damit Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums, das Greenpeace vor wenigen Tagen auf Nachfrage versichert hatte, bei den Daten der vier BNFL-Brennelemente für das Atomkraftwerk Unterweser gäbe es keine Auffälligkeiten. Bisher hatte BNFL nur zugegeben, die Sicherheitsdaten einer Brennelementelieferung nach Japan gefälscht zu haben.


"Jetzt ist klar. Die Betreiber von Sellafield haben auch ihre deutschen Kunden betrogen. Wenn im Atomkraftwerk Unterweser Brennelemente im Einsatz sind, bei deren Sicherheitschecks getrickst und gefälscht wurde, dann müssen die Brennelemente raus aus dem Reaktorkern," sagt Susanne Ochse. "Jedes Auto wird sofort aus dem Verkehr gezogen wenn es nicht bei der TÜV-Kontrolle war. Für unkontrollierte Plutonium Brennelemente muss das erst recht gelten. Die Sicherheitsdaten müssen auf den Tisch und von unabhängigen Wissenschaftlern geprüft werden".


Die englische Atomaufsichtsbehörde hat in ihrem Bericht gravierende Defizite bei der Sicherheitskultur der Atomanlagen in Sellafield festgestellt und der BNFL nachgewiesen, bei der Qualitätssicherung der Plutonium-Brennstoffe jahrelang Unterlagen gefälscht zu haben. Mitarbeiter hatten demnach vorgeschriebene Sicherheitstests wegfallen lassen und die entsprechenden Ergebnisse frei erfunden. BNFL lieferte Plutonium-Brennelemente ohne ausreichende Sicherheitsüberprüfungen außer nach Deutschland auch nach Japan und in die Schweiz. In der Schweiz ist es bei dem betroffenen Brennstoff zu Defekten gekommen. Im Atomkraftwerk Beznau gelangte Radioaktivität in das Kühlwasser des Reaktorkerns, die defekten Brennelemente mussten aus dem Reaktor entfernt werden. In Japan sind die BNFL-Brennelemente noch nicht in die Reaktoren gelangt. Die Japaner planen jetzt, die unkontrollierten Brennelemente nach England zurückzuschicken, Verträge über weitere Lieferungen sind auf Eis gelegt.


Deutschland ist nach Japan der zweitgrößte Kunde der Wiederaufarbeitungsanlage der BNFL. Mehr als 600 Tonnen Atommüll wurden bislang aus Deutschland zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield gebracht. Susanne Ochse: "Bundeskanzler Schröder kann den Atom-Skandal in England nicht einfach ignorieren und der Atomwirtschaft weiter freie Hand lassen. Die Wiederaufarbeitung von Atommüll aus deutschen Atomkraftwerken muss sofort gestoppt werden."


(ots)

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