Preissteigerungen

Städteprojekt erzeugt millionenschwere Zusatzkosten

Bei der Stadt müssen Personalakten verwaltet, Pensionäre bezahlt und Urlaubspläne erstellt werden.

Tarife© rkolbabek / iStockphoto.com

Bei der Stadt müssen Personalakten verwaltet, Pensionäre bezahlt und Urlaubspläne erstellt werden. Mit einer neuen Behördensoftware sollten diese Vorgänge für Hamburg beschleunigt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt schießen aber nur die Kosten für den Steuerzahler in die Höhe. Die Einführung der Software wird sich noch um mindestens ein Jahr verzögern. Verantwortlich dafür sollen unter anderem die fehlende Übereinkunft der Projektbeteiligten sowie das Versagen der IT-Firmen sein.

Behördensoftware mindestens zehn Millionen teurer

Die Einführung der Behördensoftware ePers war für den Februar 2014 angesetzt worden. Bis dahin sollte das Programm bereits 40 Millionen Euro verschlingen. Die Verzögerungen kosten den Steuerzahler nun mindestens 10,05 Millionen Euro mehr. Schlimmer noch: Das Programm könnte auch erst Mitte 2016 eingeführt werden, was noch einmal zusätzlich 7,45 Millionen Euro kosten könnte, berichtet die Welt. Schuld daran soll die mangelnde Absprache der Projektbeteiligten sein. Mit im Boot sitzt auch Schleswig-Holstein, das in einem Kooperationsprojekt mit Hamburg (KoPers) ebenfalls sein Personalmanagement modernisieren wollte.

Leitendes Unternehmen stand schon einmal in der Kritik

Die Realisierung von ePers und KoPers sollte unter der Leitung von Dataport durchgeführt werden. Die P&I Personal und Informatik AG aus Wiesbaden hatte die Umsetzung übernommen. In dem der Zeitung vorliegenden Schreiben hätten die beiden Bundesländer "die Mängel in der Projektsteuerung und -planung durch Dataport formal gerügt". Dataport war erst 2010 negativ aufgefallen, als tausende Computer der Hamburger Verwaltung durch einen Fehler des Unternehmens ausfielen. Da die vier Beteiligten noch nicht einmal zu einer gemeinsamen Projektbewertung gekommen seien, musste ein externer Gutachter, die Firma CSC eingeschaltet werden. Deren Zeugnis fiel, vor allem was die Projektplanung angeht, schlecht aus.

Bürger zahlen für Fehlentscheidungen der Politik

"Dass der Steuerzahler jetzt für die Unfähigkeit von Dataport bezahlen muss, ist schwer zu vermitteln", sagt CDU-Haushaltspolitiker Roland Heintze. "Anscheinend ist das städtische Unternehmen überfordert. Schon der zweitägige Ausfall der städtischen Telefone war kein Ruhmesblatt für Dataport." Christoph Krupp, der Chef der Senatskanzlei, vermutet die ursprüngliche Fehlerquelle höher angesiedelt, bei seinem Vorgängersenat. "Die öffentliche Hand hat im IT-Bereich ähnliche Probleme wie bei öffentlichen Bauvorhaben", so Krupp. "Das Projekt ist Teil des Erbes aus der Zeit der CDU-geführten Senate und gehört damit zu den vielen Angelegenheiten, die jetzt in Ordnung gebracht werden müssen."

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