Kommunale Kräfte

Stadtwerke und Kommunen rüsten sich für Energiewende

Stadtwerke und private Unternehmen wollen bei der Energiewende in Deutschland vorne mitmischen. Gerade die Kommunen, die sich schon im Abseits sahen, wittern ihre Chance. Der Ökostrom-Branchenverband BEE erwartet Milliardeninvestitionen und deutliche Arbeitsplatzzuwächse.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Stadtwerke und Kommunen seien für den Umbau des Energiesystems gut gerüstet, erklärten der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU), der Deutsche Städtetag sowie der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) am Mittwoch in Berlin. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) betonte die positiven Branchenaussichten in den kommenden Jahren.

Die Energieversorgung werde im Zeitalter von Ökostrom deutlich dezentraler organisiert sein, erklärten die Verbände von Stadtwerken, Städten und Gemeinden. Dafür seien die Gemeinden "der geborene Partner". Ein angesichts der aktuellen Diskussionen möglicher früherer Ausstieg aus der Atomkraft sei nun "die Chance, die Bedingungen für die erneuerbaren Energien zu verbessern".

Ökostrom und Kraft-Wärme-Kopplung

Die Stadtwerke hatten die von der schwarz-gelben Bundesregierung im Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung für deutsche Akw scharf kritisiert. "Kommunen und Stadtwerke sind für den Umbau des Energiesystems gut gerüstet und bieten ihre Mitwirkung an dieser zentralen Aufgabe an", betonten die Kommunen und Stadtwerke nun. Eine Wende zu erneuerbaren Energien wird die Renaissance der Stadtwerke aber wohl nicht bringen. Viele kommunale Stadtwerke setzen weniger auf Ökostrom denn auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), dabei wird aus Kohle und Erdgas gleichzeitig Strom und Fernwärme zum Heizen produziert.

Der BEE hob in einer am Mittwoch vorgestellten Unternehmensbefragung die von der Branche in den nächsten Jahren erwarteten Milliardeninvestitionen und Arbeitsplatzzuwächse hervor. Die im Bereich Ökostrom tätigen deutschen Firmen investierten im laufenden Jahr mehr als 5,5 Milliarden Euro in neue Fertigungsanlagen, Forschung und Entwicklung. Zudem beschäftigten sie rund 370.000 Menschen, erklärte BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann in Berlin.

Bis 2014 werde sich das jährliche Investitionsvolumen voraussichtlich auf 6,2 Milliarden Euro erhöhen. Der Umfrage zufolge rechneten 80 Prozent der angesprochenen Unternehmen im Zeitraum bis 2014 im steigenden Umsätzen. Dadurch entstünden auch zahlreiche neue Arbeitsplätze, betonte Klusmann: Die Branche liefere nicht nur Technik und Wissen für einen schnellen Atomausstieg und die notwendige Energiewende. Sie stärke darüber hinaus den Standort Deutschland.

Der staatliche norwegische Stromnetzbetreiber Statnett stellte unterdessen in Kiel ein Projekt zum Bau einer Hochspannungsleitung zwischen Norwegen und Deutschland unter der Nordsee vor. Das 1,4 Milliarden Euro teure Kabel soll spätestens 2017 fertig sein. Es soll die Speicherung von deutschem Ökostrom aus Windkraft in norwegischen Wasser- und Pumpspeicherkraftwerken ermöglichen und damit die angestrebte Energiewende erleichtern.

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