Stadtwerke Leipzig wechseln Stromlieferanten - 27 Millionen Mark Einsparungen in 2000

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Die Stadtwerke Leipzig werden ab dem 1. Januar des kommenden Jahres ihren nicht selbst erzeugten Strom von drei neuen Anbietern beziehen: Die Lieferverträge mit der Deutschen Tractebel AG (Berlin), Verbund AG (Wien, Österreich) und KOM-Strom AG (Leipzig) wurden dieser Tage unterzeichnet. Das Liefervolumen liegt insgesamt bei 120 Megawatt pro Jahr, was 60 Prozent des Leipziger Strombedarfs entspricht.


Damit sind die Chemnitzer envia und die Berliner Veag künftig außen vor - sie liefern bsi dato den Strom an die Stadtwerke Leipzig. Mit dem neuen Liefervertrag werden die Stadtwerke Leipzig satte 27 Millionen Mark der Strombezugskosten im Vergleich zum letzten Angebot der Veag/envia für das Jahr 2000 einsparen. Diese Einsparung will das kommunale Unternehmen dazu nutzen, seine Position im Wettbewerb weiter zu stärken. Dazu gehört, dass die Stadtwerke Leipzig ab dem 1. Dezember 1999 die Strompreise im Rahmen verschiedener Vertragsmodelle für das Leipziger Gewerbe senken werden. Im Vorgriff haben die Stadtwerke Leipzig außerdem schon am 1. November 1999 für alle Haushaltstarifkunden die Preise gesenkt.


"Die hohen Strompreise der Veag/envia für uns als Kunden waren endgültig nicht mehr hinnehmbar, als ab Frühjahr 1999 die Anteilseigner dieser Unternehmen mit deutlich niedrigeren Stromangeboten teilweise erfolgreich versuchten, uns Kunden abzuwerben," begründete Stadtwerke-Geschäftsführer Eckhard Janke die Bestrebungen seines Unternehmens, günstigere Lieferkonditionen für den eigenen Grundlastbezug zu erhalten.


In "sehr langwierigen Verhandlungen" hätten Veag/envia jedoch keine wettbewerbsfähigen Preise im Vergleich zu anderen Lieferanten angeboten, so Janke. Deshalb hätten sich die Stadtwerke Leipzig entschlossen, Konkurrenzangebote von mehreren in- und ausländischen Stromlieferanten einzuholen. Dabei setzten sich Verbund, Tractebel und KOM-Strom als beste Anbieter durch.


Gleichzeitig erhielt Veag aber als ostdeutsches Unternehmen die Möglichkeit, in dieses Angebot einzusteigen und die Stadtwerke Leipzig weiter zu beliefern. "Damit haben die Stadtwerke Verantwortung für die regionale Braunkohleförderung gezeigt", erläuterte Janke, "allerdings konnten wir auch nicht mehr länger akzeptieren, dass die Stadtwerkekunden die hohen Preise der Veag subventionieren, während deren Anteilseigner einzelnen Großkunden in Leipzig deutlich niedrigere Angebote machen", so Janke. Deshalb hätte es für Veag zwar den Bonus gegeben, 14 Tage lang in das Konkurrenzangebot einzusteigen, "aber selbstverständlich haben wir wettbewerbsfähige Konditionen erwartet", betonte Janke. Veag jedoch habe nicht auf dieses Angebot reagiert.


"Mit den neuen Lieferanten haben wir einen Jahresvertrag abgeschlossen. Der Strom wird ausschließlich aus Anlagen stammen, die den geltenden bundesdeutschen emissionsrechtlichen- und sicherheitstechnischen Bestimmungen entsprechen beziehungsweise aus regenerativen Energiequellen stammen," erläuterte Janke. Der Strom werde auch nur aus Ländern kommen, in den die Stadtwerke Leipzig ebenfalls zugelassener Kunde wären, so dass Herkunftsländer wie Frankreich, Russland, Ukraine oder Italien ausgeschlossen seien.


Die Stadtwerke Leipzig haben nun die Durchleitung dieses Stroms mit den neuen Lieferanten beantragt. "Wir sind zuversichtlich, diese zeitgerecht zu erhalten," so Janke. Die Braunkohleschutzklausel im Energiewirtschaftsgesetz verbunden mit der Durchleitungsverhinderung sei durch das Verhalten der Veag-Anteilseigner in Ostdeutschland schon "seit einiger Zeit hinfällig" und habe dem Standort Ost "ohnehin lange genug geschadet". Die Veag selbst habe öffentlich erklärt, dass ab 2000 die Durchleitung nicht mehr versagt werde. "Dann herrschen endlich gleiche rechtliche Rahmenbedingungen für den Energiewettbewerb in ganz Deutschland: Mit den neuen Bezugskonditionen haben die Stadtwerke Leipzig einen weiteren Schritt getan, um in diesem Wettbewerb erfolgreich zu sein", so Stadtwerke-Geschäftsführer Janke abschließend.

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