Ausgleich gefordert

Stadtwerke attackieren Stromkonzerne wegen AKW-Laufzeiten

Die Stadtwerke haben die vier Stromkonzerne, die verlängerte Atomkraft-Laufzeiten durchsetzen und die Brennelementesteuer kippen wollen, heftig attackiert. Die Konzerne wollten sich "garantierte Erträge aus der Kernenergie" verschaffen, kritisiert der Koordinator des Stadtwerke-Verbunds 8KU, Albert Filbert, in einer Stellungnahme, die der "Frankfurter Rundschau" vorliegt.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main/Berlin (ddp/red) - Zudem gehe es den Konzernen darum, "lästige Wettbewerber" loszuwerden und "gleichzeitig die erneuerbaren Energien zu domestizieren, damit diese nicht - wie vorgesehen - die Kernenergie sukzessive verdrängen". In 8KU sind acht große Stadtwerke zusammengeschlossen, die 15 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms verkaufen.

Filbert plädiert für die vom Bund geplante, aber von den Konzernen heftig bekämpfte Brennelementesteuer, die pro Jahr 2,3 Milliarden Euro erbringen soll. Alternativ sei eine "Netzeinspeisegebühr" denkbar. Das von den Stromkonzernen favorisierte Modell eines Fonds, in den die AKW-Betreiber einzahlen, lehnt er dagegen ab. Damit wollten sie sich ein "Zwangsmittel verschaffen, um den Staat in Obligo zu halten zugunsten garantierter Erträge aus der Kernenergie".

Stadtwerke fordern Ausgleich für Laufzeitverlängerung

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat an eine mögliche Verlängerung von Laufzeiten für Kernkraftwerke strikte Bedingungen geknüpft und einen Ausgleich für Stadtwerke verlangt. VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck sagte der «Berliner Zeitung» (Samstagausgabe): «Laufzeiten sollten nur verlängert werden, wenn es zu einem Marktausgleich bei der Stromproduktion zugunsten der Stadtwerke als dem energiepolitischen Mittelstand kommt."

Reck warnte davor, dass bei einer Laufzeitverlängerung "das Oligopol beim Strom verstärkt" werde: "Schon jetzt kontrollieren die großen Vier etwa 75 Prozent der Stromerzeugung." Der Hauptgeschäftsführer verlangte: "Die großen Oligarchen müssen Kraftwerkskapazitäten abgeben." Der VKU forderte, dass bei längeren Laufzeiten für AKW "dann fossile Kraftwerke mit einem Wirkungsgrad von weniger als 35 Prozent stillgelegt werden" müssten.

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