Stadt Hannover: Gutachten empfiehlt mehr als 50 Prozent der Stadtwerke Hannover AG zu verkaufen

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Das von der Stadt Hannover in Auftrag gegebene Gutachten an die renommierten Investmentbank Credit Suisse/First Boston (CSFB) zur Zukunft der Stadtwerke hat ergeben, dass eine Veräußerung von 50,01 Prozent der Stadtwerke-Anteile die beste Lösung bietet.


Das Gutachten sollte klären, ob die Stadtwerke als kommunales Unternehmen bestehen bleiben können oder 24 Prozent der Anteile zu verkaufen sind. Die Gutachter haben ihren Untersuchungen eine Fünf-Jahres-Planung des Stadtwerke-Vorstandes, eine Einschätzung der Marktentwicklung sowie die Analyse der Transaktionen der vergangenen Jahre zugrunde gelegt. Dabei wurde u.a. geprüft, ob das Unternehmen weiterhin mehrheitlich kommunal bleibt; ob die Option gegenüber Thüga/Ruhrgas (Verkauf von jeweils 12 Prozent wie bereits im Jahr 1994) wahrgenommen werden soll und ob 24 Prozent oder sogar 25,01 Prozent an Dritte veräußert werden sollten. Als Vergleichsgröße setzten die Wirtschaftsprüfer die Veräußerung von mehr als 50 Prozent an. "Alles beim Alten zu belassen, birgt, laut Gutachten, das größte Risiko", fasst Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg die Ergebnisse des Gutachtens zusammen. Die Fusion Veba - Viag sowie die Veräußerungen der kommunalen Mehrheit in Bremen, Kiel, Hamburg und auch Offenbach mache es notwendig, Risiken abzuschätzen. Ein kommunales Stadtwerk müsse unter den Bedingungen des Energiemarkt eine strategische Position, d.h. eine Nische finden, innerhalb derer die mit einem Stadtwerk verbundenen kommunalpolitischen Ziele zumindest annähernd so gut erreicht werden wie bei einem Verkauf von 50,01 Prozent der Stadtwerke-Anteile an einen geeigneten Investor, fordert Schmalstieg.


"Die Stadt in ihrer Verantwortung für das Unternehmen, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Kunden und für den Standort Hannover, aber auch für die Stadtkasse muss jetzt überlegen, welche strategische Option sie wahrnehmen will", steigt Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg in die Diskussion um das Gutachten zur Zukunft der Stadtwerke AG ein. Das Gutachten kommt zu der Einschätzung, dass ein strategischer Investor - vornehmlich ein großes Energieversorgungsunternehmen - die Kapitalkraft und das operative Know-how hat, um eine positive Entwicklung des Unternehmens am Markt über einen längeren Zeitraum zu erreichen. Dabei gehe es vor allem darum, die Beschäftigung über Wachstum des Unternehmens zu sichern und auszubauen, eine angemessene Kapitalrendite zu erwirtschaften und den Wert des Unternehmens zu erhalten bzw. zu steigern. Um die bestmöglichen Ergebnisse für die Stadt zu erzielen, schlägt der Gutachter vor, einen potenziellen Käufer über ein Ausschreibungsverfahren zu finden, in dem die Bedingungen aufgeführt sind, unter denen die Stadt bereit ist, ihre Anteile zu verkaufen.


Der OB wird dem Rat der Stadt empfehlen, dem zweistufige Bieterverfahren, das die Gutachter vorgeschlagen haben, zuzustimmen und parallel die noch offenen Fragen zu klären. "Ein neues Gutachten ist bereits in Auftrag gegeben worden, um herauszufinden, welche steuerlichen Konsequenzen sich aus einem möglichen Verkauf ergeben", erläutert Schmalstieg das weitere Verfahren. Zur Zeit würden unter anderem die kommunalpolitischen Bedingungen zusammengestellt, die Vertragsgrundlage bei einem möglichen Verkauf sein müssen. Dabei sollen die Lösungen aus den bereits angesprochenen Transaktionen in anderen Städten verwertet werden. "Die weitere Vorgehensweise soll von einer Lenkungsgruppe begleitet werden, in der unter meiner Leitung die Fraktionsvorsitzenden des Rates, der Betriebsratsvorsitzende und der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke vertreten sein werden", kündigt Schmalstieg an."

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