Datenpool

Spiegel: Versorger wollen Kontrollen der Netzagentur aushebeln

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in Hamburg unter Berufung auf interne Papiere der Branche berichtet, haben die vier großen Verbände der Elektrizitäts- und Gasversorger die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wibera damit beauftragt, für ihre Mitgliedsunternehmen einen so genannten Regulierungsdatenpool einzurichten.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - In der für die teilnehmenden Versorger zugänglichen Datenbank sollen dem Bericht zufolge demnächst alle Preise, Kosten und sonstige Kalkulationsdaten gespeichert werden, die von den jeweiligen Firmen auch der Bundesnetzagentur zusammen mit den Genehmigungsanträgen für Strom- und Gaspreise vorgelegt werden müssen. Mit den so erhobenen Daten sollen die Firmen in die Lage versetzt werden, ihre Zahlen einer "Plausibilitätsüberprüfung" zu unterziehen und mögliche Vorwürfe seitens der Behörde frühzeitig zu "entkräften".

Was harmlos klingt, könnte für die Verbraucher dem Bericht zufolge in der Praxis weitreichende Folgen haben. Die Bundesnetzagentur will die exorbitant hohen Durchleitungspreise für Strom und Gas senken, indem sie die Kosten und Preise der mehr als 900 Marktteilnehmer vergleicht und besonders teure Unternehmen zwingt, sich an billigere Anbieter anzupassen. Sollte die Behörde jedoch nur gefilterte Daten der Branche erhalten, dürfte dieser Versuch ins Leere laufen.

Aufgeschreckte Verbraucher hätten den Fall daher in den vergangenen Tagen an das Bundeskartellamt weitergeleitet. Dort solle nun geprüft werden, ob es sich um eine kartellrechtlich unzulässige Absprache handeln könnte. "Die Einrichtung des Datenpools", heiße es dagegen beim Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), sei ein "ganz normaler Vorgang", der in vielen anderen Branchen vollkommen üblich ist".

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