Aus Unternehmenskreise

Spiegel Online mit neuen Erkenntnissen zu Brunsbüttel: Traf Konzernleitung Fehlentscheidung?

Der Störfall am HEW-Atomkraftwerk Brunsbüttel, bei dem am 14. Dezember eine Rohrleitung am Sicherheitsbehälter explodiert war, wird immer undurchsichtiger. Nachdem das Bundesumweltministerium schon vor einigen Tagen an der Zuverlässigkeit des Betreibers gezweifelt hatte, will Spiegel-Online jetzt erfahren haben, dass die Konzernleitung den Weiterbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen angeordnet hatte.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Störfall im Atommeiler Brunsbüttel zieht immer weitere Kreise. Wie die Online-Ausgabe des renommierten Magazins "Der Spiegel" aus Unternehmenskreisen erfuhr, sollen Kraftwerkstechniker, die das Kernkraftwerk nach der Explosion einer Rohrleitung am Sicherheitsbehälter am 14. Dezember 2001 abschalten wollten, eine andere Anweisung von der Konzernleitung bekommen haben. "Im Kraftwerk bestand an diesem Tag definitiv eine andere Auffassung als in der Zentrale", zitiert Spiegel-Online seine Informationsquelle.

Es soll sogar so gewesen sein, dass die Schichtleiter sowohl der Früh- als auch der Spätschicht vor Ort bereits das Abfahren der Anlage eingeleitet hätten, als aus Hamburg die gegenteilige Order kam. Ein Beleg für diesen Eingriff sei ein am selben Tag durchgeführtes Stromhandelsgeschäft. Demnach hatte der Betreiber HEW am selben Tag bereits Ersatzstrom für den zunächst erwarteten Ausfall des AKW Brunsbüttel im Wert von etwa einer Million Mark auf dem freien Strommarkt angekauft. Dieses Strombezugsrecht habe später nach der Entscheidung, den Meiler trotz des Störfalls am Netz zu lassen, für nur 200 000 Mark weiterverkauft werden müssen, schlussfolgert Spiegel-Online. Das Magazin spricht sogar davon, dass der technische Direktor des Atomkraftwerks, der sich am Störfalltag in Hamburg aufhielt, dort "weichgeknetet" worden sei, dem Weiterbetrieb zuzustimmen.

Schon vor Bekannt werden dieser Einzelheiten hatte das Bundesumweltministerium eine genaue Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Schon am Montag waren Politik und HEW übereingekommen, dass Brunsbüttel erst wieder ans Netz geht, wenn die Aufsichtsbehörde zugestimmt hat. Das Umweltministerium sprach zudem von Zweifeln an der Zuverlässigkeit des Betreibers, der offensichtlich Wirtschaftlichkeit vor Sicherheit gesetzt hatte.

HEW und die Brunsbüttel-Betreibergesellschaft KKB haben wirtschaftliche Hintergründe für die Entscheidung dementiert. Sie sei nach rein sicherheitstechnischen Gesichtspunkten erfolgt, teilte das Unternehmen mit. Als direkte Reaktion auf den Artikel von Spiegel-Online hieß es erneut, dass sich "nach Analyse der verfügbaren Informationen im Hinblick auf Ursache und potenzielle Folgen der aufgetretenen Betriebsstörung aus sicherheitstechnischer Sicht keine Notwendigkeit ergeben hatte, die Anlage abzuschalten."

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