Morsleben

Spiegel: Merkel ignorierte Warnungen vor unsicherem Atommülllager

Angela Merkel soll in ihrer Zeit als Umweltministerin Expertenwarnungen zum unsicheren Atommüllendlager Morsleben ignoriert haben. So hätten schon vor der deutschen Vereinigung mehrere Gutachter die Standsicherheit der ehemaligen Salzgrube im heutigen Sachsen-Anhalt bezweifelt, schreibt "Der Spiegel".

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Magdeburg (ddp/sm) - Auch Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz und die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hielten dem Bericht zufolge die Anlage für nicht geeignet, um dort radioaktiven Müll zu entsorgen.

Merkel, die das Umweltressort von 1994 bis 1998 leitete, habe in einem Schreiben vom 8. Juni 1995 an das Umweltministerium von Sachsen-Anhalt versichert, es gebe "kein Sicherheitsdefizit" und sich eine weitere Einmischung von Landesseite verbeten.

Nach Einschätzung von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hätte die Anlage "nach bundesdeutschem Recht so niemals genehmigt werden dürfen." Merkel lasse hingegen erklären, sie habe sich bei der Bewertung auf die Erkenntnisse der fachlich zuständigen Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Strahlenschutz gestützt, schreibt der "Spiegel".

1998 stoppte ein Gericht die Einlagerungen in Morsleben, weil sie durch die alte DDR-Genehmigung nicht gedeckt seien. Seither wird das Lager stabilisiert, weil es als stark einsturzgefährdet gilt. Die Gesamtkosten für die Schließung der Grube werden auf 2,2 Milliarden Euro geschätzt.

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