Preissteigerungen

Spekulanten und Sparbrötchen: Mieter in der Krise

66 Prozent der Deutschen versuchen beim Heizen Kosten zu senken - sparen dabei aber bisweilen am falschen Ende.

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66 Prozent der Deutschen versuchen beim Heizen Kosten zu senken - sparen dabei aber bisweilen am falschen Ende. Investoren hingegen sparen sich immer öfter die Renovierung: Eine Kommission aus NRW beklagt zunehmende "Verwahrlosungstendenzen" wegen des Einstiegs von Finanzinvestoren in den Wohnungsmarkt.

Hohe Heizkosten führen auch zu Fehlverhalten

Jeder Zweite dreht die Heizung kürzer oder später auf, um Kosten zu sparen. Alternativ reduzieren 42 Prozent der Mieter die Heiztemperatur in der Wohnung. Manche Einsparmaßnahmen führten allerdings zu Fehlverhalten: 33 Prozent der Deutschen drehen beim Verlassen der Wohnung die Heizung vollständig ab und nahezu acht Prozent lüften weniger. Dies zeigt eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington. Deren Sprecher Philipp Schmitz-Waters wies darauf hin, dass Schimmelpilze und Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung auch dann entstehen könnten, wenn die Wohnung nicht ausreichend beheizt wird.

Mieterbund: Nicht am falschen Ende sparen

Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Deutschen Mieterbundes, empfiehlt deshalb ein  "angemessenes Heizverhalten".  Man sollte etwa beim Verlassen des Hauses die Heizung nicht ganz abdrehen, denn permanentes Auskühlen und Wiederaufheizen sei teurer als das Halten einer abgesenkten Durchschnittstemperatur. Im Bundesländer-Vergleich zeigt sich, dass umweltbewusste Sparfüchse vor allem in Niedersachsen leben, denn 81 Prozent der Niedersachsen hätten ihr Heizverhalten an die gestiegenen Heizkosten angepasst. Das Schlusslicht bilde dagegen mit 34 Prozent Mecklenburg-Vorpommern.

Die Wohnung als Spekulationsobjekt

Viele Mieter leiden jedoch nicht nur unter steigenden Heizöl- oder Gaspreisen, die zu hohen Nebenkostenrechnungen führen, sondern auch unter - je nach Region - teils deutlich erhöhten Kaltmieten. Durch den Einstieg von Finanzinvestoren in den deutschen Wohnungsmarkt (ein Beispiel übrigens: Deutsche Annington) sei im Bestand ein wachsendes Verwahrlosungsproblem festzustellen, bilanzierte am Dienstag eine Enquete-Kommission des nordrhein-westfälischen Landtages in ihrem Bericht, der über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg erstellt wurde. Demnach werde häufig nur aus Spekulationsgründen ge- und verkauft, jedoch nicht in die Wohnungen investiert. Gleichwohl verteuerten sich unter den neuen Besitzern, die die Objekte nur kurz halten und schnell wieder gewinnbringend abstoßen wollen, nicht selten die Mieten, ohne dass die Mieter einen reelen Gegenwert erhielten. Insbesondere der Verkaufsboom nach der Jahrtausendwende habe die Situation erheblich verschlimmert, hieß es in Düsseldorf.

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