Kommunaler Energiekonzern

Spektakulärer E.ON-Thüga-Deal ist perfekt

In der Energiebranche ist ein spektakulärer Milliarden-Deal perfekt: Eine Gruppe von rund 50 Stadtwerken kauft vom E.ON-Konzern für 2,9 Milliarden Euro die Thüga-Gruppe, in der die Beteiligungen an zahlreichen regionalen Versorgern gebündelt sind.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (afp/red) - Das teilten E.ON und die beteiligten Stadtwerke am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit. Der Verkauf ist auch erster Höhepunkt des Trends, dass Stadtwerke die lukrative Strom- und Gasversorgung wieder von privaten Konzernen zurückkaufen.

Käufer der Thüga sind die Stadtwerke von Hannover, Frankfurt, Nürnberg sowie von fast 50 weiteren kleineren Stadtwerken. In ihrer Tochter Thüga, dem größten Netzwerk kommunaler Energieversorger in Deutschland, hatte E.ON mehr als 90 Minderheitsbeteiligungen an Stadtwerken gebündelt. Mehrheitseigentümer sind meist Städte und Gemeinden. Die Thüga versorgte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Stromkunden und 2,9 Millionen Gaskunden.

Die Thüga-Gruppe machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. E.ON will sich in seiner Strategie einer internationalen Ausrichtung von Beteiligungen in Deutschland trennen. Hierzulande sind E.ON und die anderen großen Energiekonzerne immer stärker in das Visier der Kartellwächter geraten.

Viele deutsche Stadtwerke sind dagegen daran interessiert, die Versorgung mit Strom und Gas wieder in eigene Regie zu bringen. Sie hatte die Versorger, die meist Gewinnbringer für die kommunalen Kassen sind, nach der Liberalisierung des Strommarkts 1998 oft verkauft, um kurzfristig die Finanzlöcher zu füllen.

"Mit dem heute bekannt gegebenen Verkauf der E.ON-Stadtwerketochter Thüga AG steht der deutsche Energiemarkt vor einem Umbruch", kommentierte der Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil, den Deal. "Für den deutschen Energiemarkt ist der Verkauf an die beiden kommunalen Konsortien Integra und Kom9 eine gute Entscheidung. Die Stadtwerke sind damit in der Lage ihre Marktposition auszubauen. Erstmalig entsteht in Deutschland ein kommunaler Energiekonzern."

"Diese Entscheidung ist auch eine Entscheidung für mehr Wettbewerb im Energiebereich", sagte Weil. "Damit wird den Anmerkungen des Bundeskartellamtes Rechnung getragen, das in der Vergangenheit eine ungesunde Marktkonzentration durch die vier großen Energiekonzerne kritisiert hatte."

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