Abkehr von Gorleben

SPD besteht nach Wahl auf neue Endlager-Suche

Die SPD will bei einer erneuten Regierungsbeteiligung im Bund auf einem komplett neuen Suchverfahren für ein Endlager für deutschen Atommüll und einer Abkehr vom Projekt Gorleben bestehen. Dies kündigte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch in Hannover an.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hannover (ddp-nrd/red) - Dass die Suche nach einem geologisch bestmöglich geeigneten Endlager nicht "Bestandteil von Koalitionsverhandlungen" werde, "ist für mich nicht vorstellbar", betonte Gabriel. Gleichzeitig bekräftigte der Umweltminister seine Einschätzung, dass der Standort Gorleben als mögliches atomares Endlager "politisch tot" sei.

Neues Auswahlverfahren für Endlager-Standort

Gabriel stellte einen ausführlichen "Fahrplan" vor, wie das Erkundungsverfahren für ein sicheres deutsches Endlager für hoch radioaktiven Atommüll aussehen soll. Danach soll der Bundestag bereits im kommenden Frühjahr in einem "parteiübergreifenden Endlager-Konsens" ein neues Standort-Auswahlverfahren beschließen.

Anfang 2011 bis Ende 2013 soll die Festlegung "aussichtsreicher Standortregionen" erfolgen, mit den Erkundungen an vier bis sechs infrage kommenden Standorten soll 2014 begonnen werden.

Auch Endlager in Süddeutschland möglich

Infrage kommen laut Gabriel alle denkbaren Wirtsgesteine, also neben Salz auch Granit und Ton. Dadurch rückt Süddeutschland als potenzieller Endlagerstandort in den Vordergrund - auch dadurch, weil Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit den "zwei Sanierungsfällen" Asse und Morsleben und dem künftigen Endlager für schwach- und mittelradioaktive Altlasten Schacht Konrad bereits ausreichend zugemutet worden sei.

Inbetriebnahme von Endlager erst 2040

Eine Standortentscheidung soll es nach dem Fahrplan der SPD 2026 geben, die Inbetriebnahme des Endlagers könnte laut Gabriel um das Jahr 2040 erfolgen. Die Erkundungskosten für das Endlager schätzte er auf zwei bis vier Milliarden Euro, die Summe für die Gesamterkundung werde "weit darüber" liegen. Aufkommen soll dafür nach den Plänen der Sozialdemokraten ausschließlich die Atomwirtschaft.

Die Erkundung des Standorts Gorleben hat die deutschen Steuerzahler bislang 1,5 Milliarden Euro gekostet.

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