Sicherheit vernachlässigt

SPD: Asse wurde aus Kostengründen Entsorgungsstandort

Bei der Entscheidung zur Einrichtung des mittlerweile maroden Atommülllagers in der Asse bei Wolfenbüttel haben nach Ansicht der niedersächsischen SPD-Fraktion seinerzeit Kostengründe anstatt von Sicherheitsaspekten den Ausschlag gegeben.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover/Remlingen (ddp-nrd/red) - Der SPD-Obmann im Asse-Untersuchungsausschuss, Detlef Tanke, verwies am Montag in Hannover auf ein Gutachten mehrerer Behörden aus den frühen 1960er Jahren, wonach die Endlagerung von Atommüll in Salzstöcken vermeintlich nur zehn Prozent der Kosten einer Entsorgung nach anderen Konzepten verursache. Geiz sei "offenbar wichtiger als Gewissheit über die beste Einlagerung" gewesen, sagte Tanke.

Die in dem Gutachten aufgestellte Behauptung werde allerdings nicht begründet und sei deshalb auch nicht nachvollziehbar. Deutlich sei aber, dass schon damals die Weichen für eine Endlagerung in norddeutschen Salzstöcken und damit auch für Gorleben gestellt worden seien, sagte Tanke.

Gleichzeitig warf er dem niedersächsischen Umweltministerium vor, Akten über das Atommülllager Asse nur "zögerlich" herauszugeben. Seit Monaten sei bekannt, dass der Asse-Untersuchungsausschuss über die bereits zur Verfügung gestellten Dokumente hinaus weitere Unterlagen einsehen müsse. "Man kann inzwischen den Verdacht haben, dass die Landesregierung die Herausgabe vorsätzlich behindert", sagte Tanke. Nach einer Befahrung des Bergwerks Ende Juni nimmt der Untersuchungsausschuss an diesem Donnerstag mit der Befragung erster Zeugen die inhaltliche Arbeit auf.

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