Vorbildlich

Spatenstich für die Schule für Erziehungshilfe in Ahlen

Im nordrhein-westfälischen Ahlen im Kreis Warendorf wurde gestern mit dem Bau einer Schule begonnen, die von der Energieagentur NRW glattweg die Bestnote erhielt. Grund: Das fertige Gebäude wird die Anforderungen der Energieeinsparverordnung erheblich unterschreiten. Im August 2004 soll der Bau vollendet sein.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

"Ein energetisches Gesamtkonzept aus einem Guss, durchdacht bis ins Detail" - mit diesen Worten lobte gestern Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur Nordrhein-Westfalen, die geplante Schule für Erziehungshilfe in Ahlen. Gestern setzte der Landrat des Kreises Warendorf, Dr. Wolfgang Kirsch, den ersten Spatenstich für das vorbildliche Neubauvorhaben. "Mit diesem Neubau setzen wir unsere Energiesparbemühungen konsequent fort - in den letzten zehn Jahren konnten wir in den kreiseigenen Gebäuden durch ein erfolgreiches Energiemanagement den Stromverbrauch um 20 Prozent und den Heizenergieverbrauch sogar um 37 Prozent senken," so der Landrat.

Das Konzept für die Schule für Erziehungshilfe im Kreis Warendorf war der Energieagentur NRW zur Prüfung und Bewertung vorgestellt worden. Das erfreuliche Ergebnis: Das fertige Gebäude wird die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erheblich unterschreiten. Die Grenzwerte der EnEV beim Wärmeschutz werden um 36 Prozent und der zulässige Jahresprimärenergiebedarf um zehn Prozent unterschritten.

Für die Beheizung fand sich eine pfiffige kleine Nahwärmelösung: Das benachbarte Berufskolleg mit Dreifach-Sporthalle wird bislang von einer über 20 Jahre alten Anlage beheizt, die in absehbarer Zeit ersetzt werden muss. Hier wird nun ein neuer, effizienter Brennwertkessel eingebaut, der ab 2004 auch die Schule für Erziehungshilfe mit Wärme versorgt.

Ein Teil der notwendigen Wärme wird aber auch in der neuen Schule selbst produziert. Eine 80 Quadratmeter große solarthermische Anlage dient der Warmwasserbereitstellung für die Sporthalle. Sie soll außerdem die für alle Schulflure geplante Fußbodenheizung unterstützen. Die Koppelung von Solarthermie und Fußbodenheizung gilt als ideal, weil Fußbodenheizungen mit der geringeren Vorlauftemperatur betrieben werden können, wie sie eine solarthermische Anlage liefert.

Selbst in neuen Gebäuden wird häufig noch zu viel Energie für Kühlung und Lüftung verbraucht. Auch hier baute man in Ahlen vor: Die neue Schule wird an warmen Sommertagen die Wärme gar nicht erst ins Haus lassen, denn außenliegende Blenden fangen die Sonnenstrahlen schon vor den Glasschei-ben ab. Das Aufheizen der Räume durch Wärmestrahlung, wie sie bei innen-liegenden Rollos oder Gardinen unvermeidbar ist, wird damit stark reduziert. Zusätzlich sorgt eine hochwertige Verglasung für gute Wärmedämmung.

Nach Abschluss der Bauarbeiten soll im neuen Schulgebäude ein "Blower-Door-Test" durchgeführt werden, bei der die Luftdichtheit überprüft wird, "Das diese Form der Qualitätskontrolle fester Bestandteil des Neubauprojekts ist, ist sehr zu begrüßen", so Hüttenhölscher. Der Test sei zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, sollte nach Ansicht der Energieagentur NRW aber grundsätzlich durchgeführt werden, um unkontrollierte Lüftungswärmeverluste auf ein Minimum zu reduzieren. Die Baukosten für den zweigeschossigen Schulneubau mit 2300 Quadratmeter Fläche werden 3,4 Millionen Euro betragen. Die Fertigstellung ist für August des kommenden Jahres geplant.

Der Leiter der Energieagentur NRW appellierte an alle Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, beim Neubau öffentlicher Gebäude ebenfalls kreative Lösungen und zukunftsweisende Innovationen aufzugreifen, um so die energetische Bilanz zu verbessern. "Damit entlasten Kommunen ihren eigenen Haushalt, denn der Primärenergiebedarf sinkt - und gleichzeitig wird auch der klimaschädliche Kohlendioxid-Ausstoß verringert."

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