Übernahmeangebot

Solarworld will Opel-Standorte übernehmen (Upd.)

Der Solaranlagenhersteller Solarworld will die vier deutschen Werke des Autoherstellers Opel sowie das Entwicklungszentrum übernehmen. Das Unternehmen wolle Opel zu einem grünen Autokonzern weiterentwickeln und die Produktpalette überwiegend auf Elektro- und Hybridfahrzeuge umstellen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Bonn/München (ddp-rps/AFP/sm) - Ein entsprechendes Angebot solle dem angeschlagenen US-Mutterkonzern General Motors (GM) unterbreitet werden, teilte das im TecDAX notierte Unternehmen am Mittwoch mit. Opel wird von der finanziellen Schieflage von GM bedroht und hatte deshalb jüngst den Bund um eine Milliardenbürgschaft gebeten.

SolarWorld will Opel faktisch geschenkt

SolarWorld will Opel der Mitteilung zufolge 250 Millionen Euro in bar und Kreditlinien von 750 Millionen Euro vorbehaltlich einer Bundesbürgschaft bereitstellen. Die Bonner verlangen im Gegenzug die Herauslösung von Opel aus dem GM-Konzern sowie eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro Arbeitsplatz in Deutschland, was einer Milliarde Euro entspräche. "Das ist die Mitgift", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck AFP. Er sehe kein Problem darin, dass sein Unternehmen im Vergleich zu Opel deutlich kleiner sei.

Die deutsche GM-Tochter Opel bemüht sich derzeit in Berlin um eine milliardenschwere Staatsbürgschaft für den Fall, dass die Konzernmutter zahlungsunfähig wird. Ohne staatliche Hilfen fürchtet der Autohersteller, dass ihm spätestens Anfang 2009 das Geld ausgeht.

Elektro- und Hybridfahrzeuge anbieten

Solarworld will Opel zum "ersten grünen europäischen Autokonzern weiterentwickeln". An den vier deutschen Standorten soll nach den Vorstellungen von Solarworld künftig neben der Weiterentwicklung bestehender Baureihen eine neue Fahrzeuggeneration mit energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben produziert werden. Mit dem Umbau der Produktpalette würde Opel künftig insbesondere Elektro- und Hybridfahrzeuge anbieten, erläuterte das Unternehmen seine Pläne.

Opel beschäftigt am Stammsitz im hessischen Rüsselsheim sowie in Bochum (Nordrhein-Westfalen), Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) knapp 30.000 Menschen. Für Solarworld arbeiten rund 2200 Menschen.

Die Solarworld-Aktien fielen nach der Bekanntgabe der Pläne um 14,5 Prozent auf 14,00 Euro. Das überraschende Übernahmeangebot sorgte für Kopfschütteln im Handel. "Wir haben es erst für einen Scherz gehalten", sagte ein Händler. Allerdings habe es Solarworld auf Nachfrage noch einmal bestätigt. "Ganz sinnlos ist das nicht, weil Opel einfach nur einen Weißen Ritter braucht, um die Amerikaner loszuwerden", fügte er hinzu.

Solarworld-Chef : "Größe war noch nie entscheidend"

Solarworld-Chef Frank Asbeck hat den Plan zur Übernahme des sehr viel größeren Autobauers verteidigt. "Kennen Sie die Geschichte von David und Goliath? Größe war noch nie entscheidend", sagte Asbeck der Nachrichtenagentur AFP. Auch ein riesiger Konzern wie die Opel-Mutter General Motors (GM) sei von der Pleite bedroht. "Wichtig ist, dass man Zukunftsmärkte erkennt."

Solarworld meine das Angebot daher "todernst". "Sonst würden wir dieses Angebot nicht machen", sagte Asbeck zu Äußerungen von Analysten, Solarworld wolle nur die Werbetrommel für das eigene Unternehmen rühren.

Auch gehe es ihm nicht darum, bei einer Übernahme die gesamte Produktpalette von Opel umzukrempeln. Diese solle "marktkonform" sinnvoll ergänzt werden. Dabei verwies Asbeck auf die Entwicklung durch Sonnenenergie betriebener Fahrzeuge durch Solarworld. "Die einzige Tankstelle, die noch fünf Milliarden Jahre läuft, ist die Sonne." Die Entwicklung werde "irgendwann einmal" zu mit Sonnenenergie betriebenen Autos gehen.

Positive Reaktionen aus Politik

In der Politik ist das Angebot des Solarkonzerns auf positive Reaktionen gestoßen. Die Idee sei gewagt, aber charmant, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Sie werfe immerhin die richtige Frage auf, wie aus der Autoindustrie wieder eine Zukunftsbranche werden könne. Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin nannte es "ein hoffnungsvolles Signal", dass ein Unternehmen aus der "grünen Zukunftsindustrie" einem "Aushängeschild der deutschen Leitindustrie" helfen wolle

Auch der Umweltminister Bayerns, Markus Söder (CSU) begrüßte die Überlegungen: "Das wäre ein interessanter Vorschlag gewesen", sagte er. Damit hätte man erreichen können, dass mögliche staatliche Unterstützungsleistungen in Deutschland bleiben. Außerdem wäre es eine Chance für eine ökologische deutsche Autoindustrie.

Auch der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer äußerte sich positiv über den Vorstoß von Solarworld. Das Angebot sei ein "sehr mutiges Unterfangen und eine gute Idee." Die Zukunft gehöre umweltfreundlichen Autos. "Im Jahr 2025 wird vermutlich kein Auto in Europa mehr verkauft, das nicht entweder einen Elektro- oder einen Hybridantrieb hat", sagte Dudenhöffer.

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