Beispielrechnung

Solaranlage lohnt sich trotz gesunkener Förderung

Die Photovoltaikvergütung ist seit Januar erneut gesunken und der Zubau neuer Anlagen ging im Vergleich zu den vergangenen Jahren stark zurück. Die Installation kann sich jedoch für Privatleute und Firmen noch immer lohnen: Vor allem der Eigenverbrauch ist laut Solar Cluster Baden-Württemberg Treiber der Rendite.

Solaranlage© electriceye / Fotolia.com

Stuttgart (red) - Im Januar sind die Vergütungssätze für neu errichtete Solaranlagen leicht gesunken. Die bundesweite Einspeisevergütung etwa für kleine Photovoltaikanlagen auf Hausdächern beträgt jetzt 12,56 Cent pro Kilowattstunde. Das sind rund 0,3 Cent weniger als vor der EEG-Novelle im Sommer 2014.

Neuinstallationen gingen zurück

Solaranlagen können unabhängiger von steigenden Energiepreisen machen und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Doch seit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im vergangenen Sommer zweifeln viele Hausbesitzer und Firmenchefs an deren Rentabilität. Diese Einschätzung spiegelt sich in der geringeren Anzahl an Neuinstallationen in den vergangenen Monaten. Lag der jährliche Anlagenzuwachs vor wenigen Jahren noch bei bis zu sieben Gigawatt, waren es 2014 nur noch rund zwei.

Stromverbrauch und -erzeugung im Gleichgewicht

Für Hausbesitzer lohnt sich die Solarstromerzeugung mit erhöhtem Eigenverbrauch und guter Planung weiterhin finanziell, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. Ebenfalls attraktiv seien die Renditeaussichten für Anlagen auf Firmendächern – trotz der Eigenverbrauchsbelastung seit dem Sommer. In beiden Fällen rechne sich die Investition oft nach rund zehn bis 13 Jahren. Über die Anlagenlaufzeit sei ein Gewinn von vier bis sechs Prozent gut möglich. Dafür müssten jedoch Stromverbrauch und Erzeugung aufeinander abgestimmt sein.

Beispielrechnung für Hausbesitzer

Eine vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus, die einen jährlichen Stromverbrauch von 4.500 Kilowattstunden hat, könne mit einer durchschnittlich großen Solaranlage mit vier Kilowatt installierter Leistung ohne die Hilfe von Speichern einen Eigenverbrauch von rund 35 Prozent erreichen, so die Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. Die auf die nächsten 20 Jahre berechnete jährliche Rendite betrage gut fünf Prozent, amortisiert habe sich die Anlage nach zwölf Jahren. Eine Belastung des Eigenverbrauchs mit rund einem Drittel der EEG-Umlage fällt hier nicht an. Erst ab einer Grenze von zehn Kilowatt installierter Leistung ist das der Fall.

"Voraussetzung für das gute Ergebnis ist eine durchdachte Planung und ein Augenmerk der Bewohner auf die Steuerung des Eigenverbrauchs", sagt Michael Aigner von Aton-Solar aus Laichingen. "Die Bewohner können etwa die Waschmaschine, den Trockner oder die Geschirrspülmaschine vor allem vormittags bis nachmittags nutzen."

Beispielrechnung für Firmen

Unternehmen, besonders aus dem Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, könnten ebenfalls eine gute Renditen mit Solaranlagen erzielen. "Da die Last im Gegensatz zu Privatleuten meist nur tagsüber anfällt und sich das mit dem Solarstromertrag deckt, sind Eigenverbrauchsquoten von 70 Prozent ohne Speicher möglich", so Michael Aigner. Um einen hohen Eigenverbrauchsanteil zu erreichen, müssten freilich die stromverbrauchenden Arbeitsprozesse genau analysiert werden.

Rund 1.300 Euro pro Kilowattstunde installierte Leistung müssten Unternehmen bei einer normalen gewerblichen Größe von um die 100 Kilowatt investieren. Das wären 130.000 Euro. Bei einem Gewerbekundenstrompreis von 18 Cent pro Kilowattstunde und einem Stromverbrauch von rund 100.000 Kilowattstunden würden gut 12.500 Euro pro Jahr Stromkosten gespart, berechnet das Solarcluster. Die Einspeisevergütung bringe etwas über 3.000 Euro im Jahr. Ziehe man die Besteuerung der EEG-Umlage von 2,5 Cent pro Kilowattstunde auf den selbst verbrauchten Strom ab, liege die Amortisationszeit einer solchen Photovoltaikanlage bei rund elf Jahren, die Rendite bei knapp sechs Prozent.

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