Gaskrise

Slowakei will unsicheres Atomkraftwerk wieder anfahren

Angesichts des anhaltenden Gasstreits hat die Slowakei beschlossen, trotz eines EU-Verbots ein umstrittenes Atomkraftwerk teilweise wieder in Betrieb zu nehmen. Andernfalls drohe ein Blackout, da das Land fast seinen kompletten Öl- und Gasbedarf aus Russland bezieht.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Bratislava (AFP/sm) - Der erst am 31. Dezember stillgelegte zweite Reaktor des Atomkraftwerks in Jaslovske Bohunice solle wieder angefahren werden, teilte Ministerpräsident Robert Fico nach einer Sondersitzung des Kabinetts am Wochenende mit.

Die Entscheidung sei "im Interesse der Slowakei, ihrer Industrie und ihrer Bürger" getroffen worden, sagte Fico. Ziel sei es, den Reaktor "so bald wie möglich" wieder in Betrieb zu nehmen. "Wir wissen, dass dies ein Verstoß gegen die Bedingungen für unsere EU-Mitgliedschaft ist", sagte der Ministerpräsident. Aber angesichts der "Gefahr eines Blackouts" habe diese Entscheidung getroffen werden müssen.

Der größte slowakische Gasversorger SPP hatte am Mittwoch die Lieferungen für die Industriebetriebe begrenzt, nachdem Russland alle Gaslieferungen an die Slowakei eingestellt hatte. Die Slowakei ist zu mehr als 98 Prozent auf Öl- und Gaslieferungen aus Russland über die Ukraine angewiesen.

Vor kurzem hatte Fico gesagt, das AKW solle wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder hochgefahren werden. Daraufhin hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Einhaltung der Bedingungen angemahnt.

EU rügt Slowakei wegen geplanten Wiederanfahrens

Das Wiederanfahren des stellgelegten Atomreaktors sei "eine klare Vertragsverletzung", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Montag in Brüssel. Er drohte mit entsprechenden Konsequenzen ziehen. EU rügt Slowakei wegen geplanten Wiederanfahrens.

Die Slowakei, seit 2004 EU-Mitglied, musste der Stilllegung des Atomkraftwerks im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen zustimmen. Der erste Reaktor sowjetischer Bauart war bereits Ende 2006 vom Netz gegangen. Vor allem das Nachbarland Österreich ist vehement gegen eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors.

Bratislava hatte stets betont, das Atomkraftwerk im Westen des Landes sei sicher und könne noch bis 2020 oder 2025 betrieben werden. Das AKW sei lediglich aus "politischen Gründen" geschlossen worden, sagte Fico am Samstag.

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