Windland Nummer eins

Simonis legt Energiebericht Schleswig-Holsteins vor

Ministerpräsidentin Heide Simonis hat heute im Kieler Landtag den Energiebericht von Schleswig-Holstein vorgelegt. Derzeit wird bereits gut ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs aus Wind erzeugt. Gleichzeitig hält die Landesregierung am Ausstieg aus der Kernenergie fest und will den Offshore-Prozess unterstützen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel (ddp-nrd/sm) - Das nördlichste Bundesland Schleswig-Holstein hält am Atomausstieg fest und setzt weiter konsequent auf Windenergie. Derzeit werde bereits gut ein Viertel des gesamten Stromverbrauches aus Wind erzeugt, bis 2010 solle es die Hälfte sein, sagte Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) bei der Vorstellung des Energieberichtes am Freitag im Kieler Landtag.

"Bezogen auf die Einwohnerzahl sind wir das Windland Nummer eins", sagte sie. Zudem habe Schleswig-Holstein 2003 bundesweit den günstigsten Strompreis für Tarifkunden verzeichnet, 2004 sei das Land mit einer Differenz von 0,2 Cent pro Kilowattstunde hinter Niedersachsen knapp an die zweite Stelle gerückt.

Simonis wandte sich damit gegen Argumente von CDU und FDP, die ihr Festhalten an der Kernenergie mit hohen Windstrompreisen begründeten. Die Landesregierung bestehe auf dem geordneten Ausstieg aus der Atomenergie. "Hierzu erwarten wir, dass die Kernkraftwerke Brunsbüttel, Krümmel und Brokdorf in den Jahren 2009, 2016 und 2018 vom Netz gehen", sagte Simonis.

Die Windenergie werde nach dem Repowering an Land auf das Meer verlagert, die Landesregierung werde diesen Offshore-Prozess unterstützen, sagte Simonis. Deshalb werde der Ausbau des Hafens in Husum gefördert. Die Zahl der bisherigen "Windenergie-Arbeitsplätze" von etwa 4000 werde "erheblich erhöht". Vor den Küsten Schleswig-Holstein sind Simonis zufolge acht neue Anlagen geplant. Windenergie bleibe außerdem ein Exportmarkenzeichen.

Wichtig sei auch, die Kraft-Wärme-Kopplung auszubauen. Auch hier belege Schleswig-Holstein einen Spitzenplatz, da der in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugte Strom etwa 20 Prozent betrage. Bundesweit seien es zehn Prozent.

Simonis betonte in diesem Zusammenhang die Rolle der Hochschulen Schleswig-Holsteins. Die Universitäten Kiel und Flensburg, die Fachhochschulen Kiel, Flensburg und Westküste und die Nordakademie hätten sich zu einem Windkompetenzzentrum zusammengeschlossen. Die Fachhochschule Lübeck habe den Kompetenzbereich Wasserstoff/Brennstoffzellen etabliert, eine Technologie, die auch von Schiffbauer HDW vorangetrieben werde.

Der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Trutz Graf Kerssenbrock, forderte dagegen einen veränderten Energie-Mix. Der Ausbau der Windenergie sei ohne Rücksicht auf die vorhandenen Netzstrukturen erfolgt. Nunmehr gebe es Schwierigkeiten beim Netzausbau. Kerssenbrock forderte, die Landesregierung müsse sich verstärkt mit der Verbesserung der Wirkungsgrade fossiler Kraftwerke zur Verbesserung des Klimaschutzes beschäftigen.

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