Shell Solarzellenfabrik nimmt im November die Produktion auf

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Eine der weltweit größten Produktionsanlagen zur Herstellung von Solarzellen wird am 16. November dieses Jahres in Gelsenkirchen offiziell den Betrieb aufnehmen. Für die Eröffnungsveranstaltung haben unter anderen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ihr Kommen zugesagt. Bauherr der neuen Fabrik ist die Shell Solar Deutschland GmbH, Gelsenkirchen, an der die Deutsche Shell AG zu 80 Prozent sowie Pilkington Solar International zu 20 Prozent beteiligt sind. Die Solarzellenfabrik ist Teil des Geschäftsbereichs für erneuerbare Energien der Royal Dutch/Shell Gruppe (Den Haag/London). In diesem Geschäftsbereich engagiert sich Shell zunehmend auf den Gebieten Solarenergie, Biomasse, Windenergie und Forstwirtschaft.


Sechs Unternehmen des Baugewerbes, fünf davon aus dem Ruhrgebiet, sind seit Sommer vergangenen Jahres mit insgesamt bis zu 40 Fachkräften damit beschäftigt, die Pläne des Hamburger Architekturbüros Hohaus umzusetzen. Aus rund 1800 Kubikmetern Beton, 190 Tonnen Betonstahl sowie 230 Kubikmetern Mauerwerk und 110 Tonnen Stahlträgern entsteht in Gelsenkirchen eine Fertigungsstätte, die sowohl optisch als auch funktional modernsten Ansprüchen genügt.


Die Solarfabrik besteht aus einer sechsgliedrigen Halle mit Schrägdächern, in der auf zwei Etagen produziert wird, sowie aus einem ellipsenförmigen, mehrstöckigen Verwaltungsgebäude. Daran angegliedert entsteht ein Besucherzentrum, das Informationen rund um die Photovoltaik bieten wird. Nach gut einjähriger Bauzeit soll das knapp 83 Meter lange, 47 Meter breite und 12 Meter hohe Gebäude im September fertiggestellt werden. Ein Teil des Hallendaches sowie der Verwaltungstrakt werden mit Solarzellen bestückt.


Das Werk im Ruhrgebiet wird über zwei Produktionslinien verfügen; die erste geht im Oktober dieses Jahres in Betrieb. Modernste Fertigungstechniken sollen dazu beitragen, die Herstellungskosten qualitativ hochwertiger Solarzellen deutlich zu senken. In der Endausbaustufe sollen multikristalline Zellen in einer Größenordnung
von 25 Megawatt jährlich produziert und weltweit vermarktet werden.


Bereits im Mai dieses Jahres hatten die Deutsche Shell AG, Hamburg, und die Shell Solar Deutschland GmbH mit der Staatlichen Entwicklungs-Planungskommission der Volksrepublik China einen Vorvertrag für eine Machbarkeitsstudie zur Installation von bis zu 100.000 Solarsystemen geschlossen. Das Abkommen sieht ebenfalls die
Lieferung von Solarmodulen, Batterien sowie weiteren Komponenten vor. Einzelheiten sollen in einem Pilotprojekt geklärt werden. Ziel ist es, Häuser in ländlichen Gebieten in der Inneren Mongolei mit Strom zu versorgen.


Bei den Solarsystemen (Shell Solar Home Systems) handelt es sich um eine komplette Insellösung. Sie können zusätzlich durch kleine Windkraftanlagen ergänzt werden. Dadurch können Menschen auch in abgelegenen Gebieten kostengünstig und umweltfreundlich mit Strom versorgt werden. Gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer eine Möglichkeit, den Fortschritt auch ohne aufwendige Elektrifizierung voranzutreiben.


Derzeit baut die Shell Solar Deutschland GmbH neben der Solarzellenfabrik in Gelsenkirchen vor allem ihr Vertriebsnetz in Nordrhein-Westfalen auf. Dazu Dr. Frithjof Kublik, Bereichsleiter für Erneuerbare Energien bei der Deutschen Shell und Geschäftsführer von Shell Solar Deutschland: "Wir suchen in Nordrhein-Westfalen vor allem Unternehmen wie Dachdeckerbetriebe oder Elektroinstallateure als Shell Solar Partner, die von uns trainiert werden. Unseren Kunden können wir damit eine komplette Lösung anbieten von der Finanzierung bis zur Installation von Shell Solar Gesamtsystemen einschließlich Serviceleistungen rund um Solarstromanlagen."


Gefragt sind Firmen, die als Shell Solar Partner die lokale Präsenz in allen Regionen gewährleisten und die fachmännische Installation von Solaranlagen sowie die Kundenbetreuung übernehmen können. Shell Solar Deutschland unterstützt die Partnerfirmen durch Trainingsmaßnahmen im Bereich der Installation von Solarstromanlagen sowie der Kundenbetreuung. Dazu gehört auch die Beratung über regional sehr verschiedene Förderprogramme sowie Marketing, Distribution und die erfolgreiche Präsentation bei Messen. Für Unternehmen, die Shell Solar Partner werden möchten, und Kunden gibt es weitere Informationen unter der Shell Solar Telefon-Hotline 0180/5076527.


Im März dieses Jahres hatte die Deutsche Shell zwei Solartankstellen in Hamburg eröffnet, denen mindestens acht weitere im Bundesgebiet folgen sollen. In Nordrhein-Westfalen sind drei Standorte für Solartankstellen geplant: Gelsenkirchen, Bochum und Pulheim. Der Sonnenstrom wird in das öffentliche Netz eingespeist,
kann aber auch getankt werden.


Die Shell Solar-Stationen in Hamburg sind Teil des gemeinsamen Projektes, das die Deutsche Shell und die Hamburgische Electricitätswerke AG (HEW) gestartet haben. Im Rahmen einer Kooperation bieten beide Unternehmen seit 1. Juni 1999 zu 100 Prozent regenerativ erzeugten Strom an. Das wird ein unabhängiges Institut
kontrollieren. Unter dem Namen "newpower" richtet sich das Angebot zunächst an Hamburger Kunden. Bei Erfolg in der Hansestadt beabsichtigen Shell und HEW, das Produkt auch Kunden im ganzen Bundesgebiet anzubieten. Die Kooperation sieht auch den Bau zusätzlicher Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom vor.



Hintergrundinformationen zur Solarzellenfabrik:


Produktionskapazität


Die Jahreskapazität der ersten Produktionslinie entspricht einer Leistung von zehn Megawatt. Ende des Jahres 2000 wird die zweite Produktionslinie erstellt. Letztlich soll die Anlage 25 Megawatt oder rund 13 Millionen Solarzellen jährlich produzieren. Damit können etwa 7000 Vier-Personen-Haushalte vollständig mit Strom versorgt werden.


Investitionsvolumen


Die Gesamtinvestitionen für die Solarzellenfabrik belaufen sich auf über 50 Millionen Mark. Gefördert wird das Projekt vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen. Treibende Kraft für die Zusammenarbeit zwischen der Landesregierung und Shell Solar ist die Landesinitiative Zukunftsenergien NRW, Düsseldorf. Die Royal Dutch/Shell Gruppe wird in den kommenden fünf Jahren knapp eine Milliarde Mark in erneuerbare Energien investieren.


Arbeitsplätze


In der Solarzellenfabrik entstehen direkt etwa 60 neue Arbeitsplätze. Rund die Hälfte davon entfällt auf die Produktion. In der Endausbaustufe werden in beiden Produktionslinien je 15 Personen beschäftigt sein. Dann wird im Drei-Schicht-System rund um die Uhr produziert. Weitere 30 Mitarbeiter werden im Projektmanagement, im Vertrieb sowie im Finanz- und Personalwesen beschäftigt.


(ots)

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