Drei Etappen

Schweizer Endlagersuche: Grenznahe Standorte im Fokus

Bei ihrer Suche nach einem Endlager für Atommüll zieht die Schweizer Regierung weiterhin vier Standorte nahe der deutschen Grenze in Betracht. Insgesamt werden sechs Standorte vertieft geprüft, teilte der Bundesrat, die Schweizer Regierung, am Donnerstag als Ergebnis einer ersten Etappe der Suche mit.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Bern/Waldshut (dapd/red) - Der Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg meldete sofort "starke Vorbehalte" an. Vor allem das Hochrheingebiet sei dicht besiedelt, verfüge über bedeutsame Grundwasservorkommen und sei bereits erheblich mit kerntechnischen Anlagen vorbelastet, erklärte der Kreis.

Die sechs von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) vorgeschlagenen Standortgebiete Jura Ost, Wellenberg, Jura-Südfuss, Nördlich Lägern, Südranden und Zürich Nordost werden nach Angaben des Bundesrates in den "Sachplan geologische Tiefenlager" aufgenommen. Die vier letztgenannten Gebiete befinden sich in der Nähe zu Deutschland.

Sicherheit sollte einziges Auswahlkriterium sein

Überprüft wurden in Etappe 1, ob sich die vorgeschlagenen Standorte sicherheitstechnisch eignen. Geklärt wurde auch, welche Gemeinden betroffen sein könnten. In der rund vier Jahre dauernden Etappe 2 soll es eine vertiefte Untersuchung geben, bei der 190 Schweizer und 13 deutsche Gemeinden im Rahmen der sogenannten "regionalen Partizipation" beteiligt werden sollen. Eine endgültige Entscheidung erfolgt in Etappe 3.

Der Waldshuter Landrat Tilman Bollacher sagte, ein Vergleich der Gebiete sei nur auf Basis vergleichbarer Daten möglich. Diese müssten noch vor Einengung der Standorte erstellt werden. Einziges Auswahlkriterium dürfe die Sicherheit und nicht ein möglicherweise zu erwartender geringerer Widerstand der Bevölkerung sein.

Außerdem seien die Standortregionen zu eng definiert, kritisierte der Landrat. Der Koalitionsvertrag der Landesregierung von Baden-Württemberg habe eine Beteiligung der deutschen Grenzregion bis zu 30 Kilometer vom Endlagerstandort gefordert. Er sei enttäuscht, dass sich die Schweiz in dieser Frage nicht mehr bewegt habe, sagte Bollacher.

Gleichwohl gilt die Schweizer Endlagersuche als vorbildlich und wird immer wieder als mögliches Beispiel für ein deutsches Vorgehen herangezogen.

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