Ausbau notwendig

Schröder auf renewables: Neue Energien enthalten auch Sicherheitsaspekt

Die Abhängigkeit vom Öl steht derzeit im Mittelpunkt der politischen und energiepolitischen Diskussion. Während Bundeskanzler Schröder, Briten-Chef Blair oder Umweltminister Trittin den Ausbau regenerativer Energien als wirksame Maßnahme dagegen sehen, erwägt die Union den Bau neuer Kernkraftwerke.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Bonn (red) - Die aktuelle Entwicklung der Erdölpreise belege, wie dringend eine globale Umorientierung der Energiepolitik auf erneuerbare Energien ist. Dies erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder seiner heutigen Rede bei der Weltkonferenz für erneuerbare Energien renewables 2004 in Bonn.

Sonderkredit in Höhe von 500 Millionen Euro

Schröder kündigte an, dass die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Sonderkredit für erneuerbare Energien und Energieeffizienz einrichten wird. Mit einem Volumen von bis zu 500 Millionen Euro sollen damit ab 2005 für fünf Jahre zinsverbilligte Darlehen für Investitionen in Entwicklungsländern an staatliche und halbstaatliche Institutionen, Banken oder auch Private vergeben werden.

Umorietierung der globalen Energiepolitik

Schröder erklärte gleichzeitig, dass der Zeitpunkt für diese Konferenz gerade richtig komme. Die aktuelle Entwicklung zeige die Notwendigkeit, belastbare Absprachen zu einer Umorientierung der globalen Energiepolitik zu treffen. Hohe Energiepreise, wie zum Beispiel derzeit beim Erdöl, verbauten weltweit die Chancen für wirtschaftliche Entwicklung, sagte Schröder. Sie bedrohten den Aufschwung in den entwickelten Volkswirtschaften. Und sie behinderten weltweit die Bekämpfung von Armut und Hunger. Gleichzeitig werde durch die Ereignisse in Saudi-Arabien und im Irak auf dramatische Weise deutlich, wie überlebenswichtig eine Energieversorgung ist, die auf möglichst viele verschiedene Energieträger setzt.

Besondere Hilfe für Entwicklungsländer

Wer Armut bekämpfen und Entwicklung ermöglichen wolle, müsse in dezentrale, erneuerbare Energiequellen investieren. Dafür konkrete Vorgaben zu verabreden, das sei das Ziel der Bonner Konferenz. Mit verschiedenen Projekten will die Bundesregierung im Rahmen eines internationalen Aktionsprogramms den Ausbau der erneuerbaren Energien in den Entwicklungsländern beschleunigen. Dafür sind Fördermittel von mehr als 230 Millionen Euro vorgesehen, die zur Hälfte als Darlehen zur Verfügung stehen.

Verwundbarkeit der Weltwirtschaft verringern

Schröder hob zudem den Sicherheitsaspekt erneuerbarer Energien hervor. Die Terroranschläge auf Ölanlagen hätten die Verwundbarkeit der auf Öl fixierten Weltwirtschaft deutlich gemacht. Dezentral nutzbare erneuerbare Energien seien somit auch ein "Gebot der Sicherheit". In einem per Video eingespielten Grußwort sagte der britische Premier Tony Blair: "Der Klimawandel geht uns alle an." Wie Deutschland wolle Großbritannien bis 2020 ein Fünftel des Strombedarfs aus regenerativen Energien decken.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Erde

    Studie: Mehr Geld für konventionelle Energien als für Ökostrom

    Einer Kurzanalyse zufolge werden konventionelle Energien im kommenden Jahr deutlich stärker gefördert als erneuerbare Energieträger. Demnach läge eine Umlage für Atom- und Kohlestrom deutlich über der EEG-Umlage.

  • Netzausbau

    Energiesektor: Mehr Geld für Atomkraft - Stillstand bei Ökostrom

    Im Energiesektor wurde global betrachtet 2015 wieder deutlich mehr in Atomkraft investiert. Auch für alte Kohlemeiler wurde viel Geld ausgegeben. Bei Öl und Gas war ein Rückgang zu beobachten, während bei den Erneuerbaren der Geldfluss unverändert blieb.

  • Hochspannungsleitung

    Zukunftsenergien spielen nur geringe Rolle bei Versorgung

    Nur drei Prozent der weltweit verbrauchten Energie stammen derzeit aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne oder Wasser. Das teilte das Institut der deutschen Wirtschaft heute mit. 87 Prozent der jährlich benötigten 15 Milliarden Tonnen Steinkohleeinheiten stammen aus den herkömmlichen Energieträgern.

  • Strom sparen

    Trittin: Bau eines neuen Atomkraftwerks in Deutschland wäre illegal

    Im Gegensatz zur bayrischen Regierung, die sich in einem Strategiepapier den Neubau eines Atomkraftwerks offen hält, wiesen Umweltminister Jürgen Trittin, UNEP-Chef Klaus Töpfer und Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul auch auf die entwicklungspolitischen Aspekte der erneuerbaren Energien hin.

  • Energieversorung

    Union fordert längere Nutzung der Atomenergie

    Hohe Ölpreise und Importabhängigkeit - mit diesen Schlagwörtern hat die Union eine Verschiebung des geplanten Ausstiegs aus der Kernenergie wieder in die Diskussion gebracht. Rückendeckung erhält sie überraschend auch von Teilen der Erneuerbaren-Energien-Branche.

Top