Gescheitert!

Schluss: RWE Powerline zieht den Stecker

Bereits gestern verdichteten sich die Gerüchte, heute ist es offziell: Der Energie-Gigant RWE ist mit dem Internet aus der Steckdose gescheitert. Schuld daran soll unter anderem der 11. September sein. Auch mit dem Modem der Schweizer Firma Ascom hatte es wohl Probleme gegeben. Und schließlich war auch das Kundeninteresse nicht überwältigend.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Die RWE-Tochterfirma Powerline wird geschlossen, und zwar zum 30. September. Dies bestätigte ein Sprecher der Powerline-Geschäftsführung am Mittwoch gegenüber der Financial Times Deutschland. Damit ist nach E.ON nun auch beim zweiten Stromriesen das mit hohen Aufwendungen verbundene Konzept des Internets aus der Steckdose - und das nach nur einem Jahr. Jetzt sind nur noch EnBW und der Mannheimer Regionalversorger MVV auf diesem Markt vertreten.

RWE hatte sich viel vorgenommen mit dem schnellen Internet-Anschluss aus der Steckdose. Powerline sollte eine höhere Übertragungsgeschwindigkeit ermöglichen als das Breitbandnetz der Deutschen Telekom und quasi immer und überall verfügbar sein. Doch in den letzten Monaten ergaben sich nach Angaben von Powerline-Sprecher Knauer unvorhersehbare technische Entwicklungen.

So seien beispielsweise nach den Anschlägen des 11. September zunehmend Frequenzbänder für Sicherheitsdienste wie Bundesnachrichtendienst oder Seefunk reserviert worden, was die Kapazitäten für die Powerline-Dienste erheblich eingeschränkt habe. Weiterhin habe es immer wieder Probleme mit dem Modem der Schweizer Firma Ascom gegeben. Vorwürfe, das Gerät sei nicht tauglich für den Massenmarkt, wurden von Ascom zurückgewiesen.

Branchenexperten verweisen hingegen auf äußerst dünnes Kundeninteresse. Die prognostizierte Zahl von 120.000 Anschlüssen zum Jahreswechsel 2002/2003 seien angesichts von Kundenzahlen knapp über 2000 im Frühjahr dieses Jahres ins Reich der Fabel zu verweisen. Powerline-Sprecher Knauer wies gegenüber der FTD Verlautbarungen über mangelndes Kundeninteresse zurück, wollte jedoch keine Angaben zu konkreten Zahlen machen. Die Kunden sollen laut Knauer keine finanziellen Nachteile erleiden; sie erhielten ein Angebot "im gleichen Preissegment".

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