Krümmel und Brunsbüttel

Schleswig-Holstein verlangt Aufklärung über AKW-Stillstände

Schleswig-Holsteins Landesregierung verlangt vom Energiekonzern Vattenfall Aufklärung über die Ursachen des seit Sommer 2007 anhaltenden Stillstands der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Der Stillstand beider Anlagen bedeute eine schwere Belastung für den Haushalt des nördlichsten Bundeslandes.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel (ddp-nrd/sm) - "Deshalb haben Finanzminister Rainer Wiegard und ich bereits Kontakt zur Unternehmensspitze des Energieversorgers aufgenommen", sagte Wirtschaftsminister Werner Marnette (beide CDU) am Freitag in Kiel.

Marnette sprach von Mindereinnahmen in mehrstelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig wirke sich der Stillstand preistreibend für die Menschen und die Wirtschaft aus, sagte der Minister. Das für Reaktoraufsicht zuständige Sozialministerium sei nicht für die zeitlichen Verzögerungen verantwortlich. Davon habe er sich selbst überzeugt. Marnette fügte hinzu: "Ich hoffe nicht, dass es vom Betreiber ein taktisches Vom-Netz-Nehmen ist. Das können wir uns in diesem Land nicht leisten."

Vattenfall: Keine taktischen Gründe

Die Sprecherin des Energiekonzerns, Barbara Meyer-Bukow, betonte, der andauernde Stillstand habe keine politischen Gründe. Dies sei "Quatsch". In Brunsbüttel dauerten sowohl die Arbeiten an fehlerhaften Armaturen als auch Dübeln weiter an. Im AKW Krümmel sei die Dübel-Problematik zwar abgearbeitet, nicht aber die der Risse an Armaturen. Sie fügte hinzu: "Gründlichkeit geht über Schnelligkeit." Einen möglichen Termin zum Wiederanfahren der Atommeiler wollte Meyer-Bukow nicht nennen.

Das AKW Brunsbüttel ist ebenso wie der schleswig-holsteinische Meiler Krümmel seit einem Kurzschluss beziehungsweise Trafobrand seit Ende Juni 2007 abgeschaltet. Der Stillstand beider Kraftwerke kostet den Betreiber laut Vattenfall-Vorstand Reinhardt Hassa pro Tag zusammen mehr als eine Million Euro wegen des Produktionsausfalls.

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