Biblis A

Scharfe Kritik an Reststrommengen-"Kuhhandel"

Wie bereits berichtet, hat der Energiekonzern RWE für den Weiterbetrieb von Biblis A Reststrommengen aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Stade erworben; damit kann RWE den ältesten deutschen Meiler noch etwa zwei Jahre am Netz lassen. Dieser Deal ist auf scharfe Kritik gestoßen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen/Biblis (ddp/red) - Die Opposition im Hessischen Landtag und Umweltschützer verurteilten die Übertragung der Reststrommengen scharf.

Derzeit wird Deutschlands ältester Atommeiler nach RWE-Angaben nur in Teillast betrieben. Mit den noch knapp vier vorhandenen Terrawattstunden und der Reststrommenge aus Stade könne Biblis A noch etwa zwei Jahre in Teillast betrieben werden, sagte eine RWE-Sprecherin. Über den Kaufpreis des Stromkontingentes aus Stade wurde RWE zufolge Stillschweigen vereinbart. Das Atomkraftwerk Stade wurde 2003 stillgelegt, ohne seine Laufzeit völlig ausgeschöpft zu haben.

Der hessische SPD-Abgeordnete Norbert Schmitt nannte die Übertragung der Restlaufzeit auf Biblis A "unverantwortlich". Ohne umfassende Nachrüstung des Meilers sei die Übertragung auch rechtlich "mehr als fraglich". Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Hammann, nannte den Deal zwischen RWE und E.ON "ein Geschäft zulasten der Bevölkerung", die Linke sprach von einem "Kuhhandel". Bei den Verhandlungen zum Atomausstieg sei der Weiterbetrieb von Biblis A mit den bisherigen Sicherheitseinrichtungen nur gestattet worden, weil der Meiler bald vom Netz gehen sollte, sagte Fraktionschefin Janine Wissler.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, bezeichnete das Verschieben der Reststrommengen von Stade auf Biblis A als "illegal und gefährlich". Die Umweltschutzorganisation forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) auf, gegen die Pläne der Stromkonzerne einzuschreiten.

Unterstützung erhielten die Kritiker durch eine am Montag durch das ARD-Magazin "Report Mainz" veröffentlichte Statistik des Bundesministeriums für Reaktorsicherheit. Demzufolge meldeten ältere Atomkraftwerke in Deutschland überdurchschnittlich viele sicherheitsrelevante Defekte. Bei einer Reihe deutscher Druckwasserreaktoren nehme seit 1994 die Zahl der "meldepflichtigen Komponenten- und Bauteildefekte" deutlich zu.

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