Finanzierung

Sarkozy fordert AKW-Hilfen für Schwellenländer (Upd.)

Frankreich hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Hindernisse für den AKW-Bau in Schwellenländern zu beseitigen. Bei einer Konferenz in Paris setzte sich Präsident Nicolas Sarkozy für eine internationale Förderung des AKW-Exports ein.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris (afp/red) - Wenn es um Frankreichs Atomindustrie geht, zeigt sich Präsident Nicolas Sarkozy gerne in vorderster Front. Seit Montag veranstaltet er in Paris eine internationale Konferenz zur zivilen Nutzung von Atomenergie. Eingeladen hat Sarkozy dazu nicht nur zahlreiche Schwellenländer, sondern auch einst international geächtete Staaten wie Syrien, denen er jetzt Atomtechnik anbietet. Den Bau von Atomkraftwerken will Sarkozy jetzt sogar zum international anerkannten Entwicklungsprojekt erklären.

Ob in China, Indien oder Nahost - Sarkozy hat keine Probleme damit, als "Handelsvertreter" für die französische Atomwirtschaft aufzutreten. Seit seinem Amtsantritt 2007 wirbt er für die Weitergabe der Atomtechnologie. Berührungsängste hat er dabei nicht: So schloss er nicht nur mit Syrien, sondern auch mit Libyen Abkommen zur Atomzusammenarbeit. Paris sei "überzeugt", dass die Atomenergietechnik "ein entscheidendes Element für die Berücksichtigung der Umweltprobleme und für eine bessere Verteilung der Reichtümer auf dem Planeten ist", bekräftigte Sarkozy bei der Konferenz mit 65 Staaten und internationalen Organisationen.

Tatsächlich geht es um ein Riesengeschäft. Nach Angaben des Weltnuklearverbandes (WNA) dürften bis 2030 weltweit mehr als 450 Atomreaktoren gebaut werden - ein Markt, der hunderten Milliarden Dollar entspricht. Frankreich, das drei Viertel seines Stroms aus Atomenergie erzeugt, will sich davon ein großes Stück abschneiden. Die Franzosen sehen darin auch einen der wenigen Bereiche, in dem sie im Export dem großen EU-Konkurrenten Deutschland die Schau stehlen können, nachdem dessen Nuklearindustrie durch den Atomausstieg zuhause ausgebremst wird.

Doch Frankreichs Atomwirtschaft befindet sich selbst in schweren Turbulenzen. Der staatliche Atomkonzern Areva und der Stromriese EDF, der in alle französischen Atomreaktoren betreibt, streiten offen um die Vorherrschaft im Exportgeschäft. Für Kommentatoren war das mit ein Grund, warum Frankreich einen Auftrag zum Bau von vier Atomkraftwerken über 20 Milliarden Dollar in den Vereinigten Arabischen Emiraten verloren hat. Den Zuschlag bekam im Dezember ein südkoreanisches Konsortium, das billiger anbot.

Seitdem stellt sich die französische Atomwirtschaft die Frage, ob sie mit dem neuartigen Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) in Schwellenländern überhaupt wettbewerbsfähig sein kann. "Im Prinzip haben wir dasselbe erlebt wie mit der (Überschallmaschine) Concorde", sagte ein EDF-Vertreter. "Wir haben ein prächtiges Technologieprojekt, für das es aber keine oder zu wenige Kunden gibt, weil es zu teuer ist." Areva-Chefin Anne Lauvergeon kritisierte, in Europa wäre es für Südkorea wegen höherer Sicherheitsanforderungen unmöglich gewesen, seine Reaktoren zu verkaufen.

Sarkozy versucht jetzt, die internationalen Standards für Atomkraftwerke anzuheben. Er verlangte von der Internationale Atomenergiebehörde IAEA am Montag, Reaktoren für Atomkraftwerke fortan nach ihrer Sicherheit einzustufen. "Heute teilt der Markt nur nach dem Kriterium des Preises ein", sagte er. Eine unabhängige Stelle müsse fortan dafür sorgen, dass "strikte Regeln" bei der Sicherheit respektiert würden.

Rückendeckung will Sarkozy auch bei der Finanzierung von Projekten in ärmeren Ländern. Er könne nicht verstehen, warum für Entwicklungsinstitute wie die Weltbank oder die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) die Unterstützung bei der Errichtung von Kernkraftwerken "geächtet" sei, sagte der Präsident. "Die Entwicklungsbanken müssen sich entschlossen bei der Finanzierung engagieren."

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