Interview

Sander: Offshore-Windenergie wichtig für Niedersachsen

Hans-Heinrich Sander, Umweltminister der Liberalen in Niedersachsen, hat betont, dass Offshore-Windenergie für das Bundesland Niedersachsen von besonderer Bedeutung sei. 2006 wolle man mit der Errichtung des ersten Windparks beginnen. Planer, Investoren und Politiker jedoch beschritten neue Wege.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Emden/Wilhelmshaven (ddp-nrd). Deutschlands erste Windkraftanlage mit "nassen Füßen" läuft im Testbetrieb. Nach dem erfolgreichen Probelauf der Maschinen werden sich erstmals am Mittwoch auch die Flügel der so genannten Nearshore-Anlage in der Emsmündung bei Emden drehen, wie ein Sprecher der Planungsfirma Enova vor Ort am Dienstag sagte. Die rund 40 Meter vom Deichfuß entfernte Anlage dient als Testobjekt für geplante Offshore-Windparks auf hoher See.

Die Nutzung der Offshore-Technologie sei für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen von besonderer Bedeutung, sagte Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) im Vorfeld der am Mittwoch und Donnerstag in Wilhelmshaven stattfindenden Deutschen Windenergie-Konferenz DEWEK 2004. Auch für den Klimaschutz und die Ressourcenschonung seien die Offshore-Windparks wichtig, sagte Sander. Pilotanlagen innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone, "konzentriert auf wenige verträgliche Flächen", seien zur Erprobung der Technologie erforderlich.

Die Landesregierung habe sich mehrfach dafür eingesetzt, um eine finanzielle Gleichbehandlung bei der Förderung von Windanlagen im Meer und im Binnenland zu erreichen. Jedoch stelle sich Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) stur, beklagte Sander. Dabei brauchten die Planer von Offshore-Anlagen Investitionssicherheit.

Die von Umweltschützern befürchtete Gefährdung der Schweinswalbestände durch die Windräder sieht Sander nicht: "Nach unserem Kenntnisstand gibt es im niedersächsischen Küstenmeer keine besonderen Schweinswalvorkommen." Auch das Risiko von Schiffsunfällen mit Offshore-Anlagen sei an dieser Stelle der Nordsee gering, sagte Sander unter Berufung auf ein Gutachten des Germanischen Lloyd.

Der Minister betonte, mit der Offshore-Technologie beschritten Planer, Investoren und Politiker gleichermaßen neue Wege. Er rechne damit, dass ab 2006 mit der Errichtung des ersten Windparks begonnen wird. Die jetzigen Pilotphasen dienten dazu, Erfahrungen zu sammeln.

Erste Erfahrungen sollen in der Emsmündung bei Emden gewonnen werden. Dort errichtete die Planungsfirma Enova im Auftrag des Oldenburger Energieversorgers EWE eine Windenergieanlage E-112 des Auricher Herstellers Enercon. Solche Anlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von 4,5 Megawatt sollen auch auf hoher See zum Einsatz kommen.

Die E-112 hat eine Nabenhöhe von 108 Metern und einen Rotordurchmesser von 114 Metern. Das 676 Quadratmeter große Fundament in der Emsmündung ist auf 40 Stahlrohrpfählen gegründet. Allein die vier Turmsektionen wiegen 820 Tonnen. Die Anlage soll rund 4500 Haushalte mit Strom versorgen können.

Neueste Forschungs- und Entwicklungsergebnisse der Branche werden am Mittwoch und Donnerstag auf der Deutschen Windenergie-Konferenz DEWEK 2004 in Wilhelmshaven vorgestellt. Auf dem Programm der alle zwei Jahre stattfindenden Zusammenkunft von Vertretern aus Wissenschaft und Industrie stehen nach Angaben des Deutschen Windenergie-Instituts (DEWI) 65 Fachvorträge. Erwartet werden rund 500 Teilnehmer. Entscheidende Forschungsimpulse kommen nach Einschätzung von Experten vor allem durch die Offshore-Technologie. Als treibende Kraft habe sich auch das Größenwachstum der Windturbinen erwiesen.

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