Netze stabil halten

Sander: Neue Kohlekraftwerke an der Küste notwendig

Niedersachsens Umweltminister Sander (FDP) hält trotz des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien die Errichtung von Kohlekraftwerken für unverzichtbar. Kraftwerke an der Küste sollen die nötige gleichmäßige Spannung in den Nord-Süd-Stromleitungen sicherstellen. Die Grünen halten die Argumentation für unsinnig.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hannover (ddp-nrd/sm) - Zwar würden insbesondere die geplanten Offshore-Windparks vor der niedersächsischen Küste den Anteil erneuerbarer Energien weiter steigern. Um aber die Netze der künftigen Offshore-Windparks stabil zu halten, würden neue Kohlekraftwerke an der Küste gebraucht, bekräftigt Sander.

Strom aus Windkraft und Solaranlagen könne nicht gleichmäßig in das Netz eingespeist werden. Mit hoch effizienten Kohlekraftwerken müsse deshalb sichergestellt werden, dass in die großen Nord-Süd-Stromleitungen immer die notwendige gleichmäßige Spannung und Leistung eingespeist werde, betonte der Minister.

Grüne nennen Argumente "unsinnig"

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel bezeichnete die Argumentation von Sanders als "politischen und technischen Unsinn". Energie, die an der Küste gebraucht werde, könne genauso gut aus Süddeutschland kommen. Wichtig sei einzig und allein, dass nicht weiter auf alte Technologien gesetzt werde.

Im Übrigen würde der Bau von Kohlekraftwerken an der Küste nach Wenzels Ansicht dem Offshore-Ausbau schaden, da sich die Anlagen zulasten der Windstromproduktion und deren Einspeisung auswirken könnten. Über kurz oder lang müssten die Kraftwerke ohnehin wieder abgeschaltet werden, "wenn das Land, wie behauptet, massiv auf den Ausbau von Windstrom setzt", sagte Wenzel.

Niedersachsen Spitzenreiter bei Windenergie

Laut Sander stammen in Niedersachsen bereits heute etwa 21 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Mit einem Anteil von 25 Prozent der bundesweit installierten Windleistung sei das Land deutscher Spitzenreiter. Führend sei Niedersachsen auch bei der Nutzung von Bioenergie, mit rund 37 Prozent der bundesweit errichteten Kapazität.

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