Klimaschutzbericht

Sächsische Haushalte erhöhen Kohlendioxidausstoß

Der jährliche Ausstoß von Kohlendioxid in Sachsen hat sich zwischen 1998 und 2003 von 10,3 auf 51 Millionen Tonnen fast verfünffacht. Das geht aus dem gestern vom sächsischen Umweltminister veröffentlichten Klimaschutzbericht hervor. Verantwortlich für diese Entwicklung sei auch die Zunahme bei den Haushalten.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Dresden (ddp-lsc/sm) - Die Kohlendioxidemissionen in Sachsen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Aus dem gestern von Umweltminister Stanislaw Tillich (CDU) im Kabinett vorgestellten Klimaschutzbericht geht hervor, dass sich der jährliche Ausstoß von 1998 bis 2003 um 10,3 Millionen Tonnen auf 51,0 Millionen Tonnen erhöht hat. Verantwortlich dafür sei vor allem die Zunahme bei den vor sieben Jahren zum Teil noch stillgelegten Braunkohlekraftwerken und bei den Privathaushalten.

Der jährliche Ausstoß bei den Kraftwerken stieg von 1998 bis 2003 von 18,7 Millionen auf 32,7 Millionen Tonnen. Das sei eine Steigerung um 14 Millionen Tonnen und damit knapp 75 Prozent, hieß es gestern in Dresden. 1990 hatten die Großfeuerungsanlagen auf dem Gebiet Sachsens allerdings noch 83 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen.

Eine Zunahme um 0,4 Millionen Tonnen verzeichneten den Angaben zufolge auch die privaten Haushalte. Dies führte Tillich auf die wachsende Zahl an Singlehaushalten, größere Wohnflächen pro Einwohner sowie auf den Wohnungsleerstand zurück. Gesunken seien die jährlichen Emissionen dagegen in Handel, Gewerbe und Dienstleistungen um 1,9 Millionen Tonnen, bei der Industrie um 0,8 Millionen Tonnen und im Verkehr um 1,4 Millionen Tonnen.

Da die Braunkohlekraftwerke von der Vorgabe des sächsischen Klimaschutzprogramms, den Kohlendioxidausstoß bis 2010 um 2,5 Millionen Tonnen zu drosseln, ausgenommen sind, sprach Tillich von einem "bereits jetzt erfüllten Ziel". Tatsächlich konnten die jährlichen Emissionen in den verbliebenen Bereichen zusammen um 3,7 Millionen auf 18,3 Millionen Tonnen reduziert werden. Der Minister betonte, dass es sich bei den Braunkohlekraftwerken Sachsens inzwischen um die modernsten "europaweit und wahrscheinlich auch weltweit" handele.

Zugleich hob er hervor, dass sich die Nutzung der erneuerbaren Energien von 1998 bis 2003 mehr als verdoppelt habe. Waren vor sieben Jahren lediglich 714 Gigawattstunden Strom und Wärme erzeugt worden, so waren es vor zwei Jahren bereits 1594 Gigawattstunden. Damit hätten jährlich Kohlendioxidemissionen von fast 1,2 Millionen Tonnen vermieden werden können.

Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Johannes Lichdi, warf Tillich vor, eine "Sammlung von Unterlassungen, Halbwahrheiten und Verdrehungen von Tatsachen" vorgelegt zu haben. Die kleinen Erfolge gingen fast ausnahmslos auf das Konto der scheidenden Bundesregierung.

Von Tino Moritz

Weiterführende Links
Das könnte Sie auch interessieren
  • Energiewirtschaft

    Industrie wird weiterhin bei Ökostrom-Umlage verschont

    Die deutsche Industrie wird auch in der Zukunft von der Ökostrom-Abgabe weitestgehend befreit bleiben. Nach langen Diskussionen konnten sich die EU-Kommission und die Bundesregierung aufeinander abstimmen.

  • Ökostromrechner

    Kabinett segnet Ökostrom-Reform ab

    Wie geht es weiter mit dem Ökostrom-Ausbau in Deutschland? Lange konnten sich Bund und Länder nicht einigen, aber nun hat sich die EEG-Reform auch ihren Weg durch das Bundeskabinett gebahnt.

  • Strom sparen

    Industrie kritisiert stark gestiegene Strom- und Gaspreise

    Mit einem Maßnahmenbündel will der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) die Energiepreise in Deutschland senken. Er forderte die Bundesregierung auf, die Bedingungen des Emissionshandels und das EEG zu überarbeiten und kassierte dafür Kritik von allen Seiten.

  • Energieversorung

    Hessen will Biomassenutzung ausbauen

    Die Biomasse bietet laut einer Studie, die das Land Hessen in Auftrag gegeben hat, noch großes Potenzial zur Energiegewinnung. Das Land will nun die stärkere Nutzung des umweltfreundlichen Energieträgers weiter vorantreiben, teilte Umweltminister Wilhelm Dietzel auf einer Messe in Wetzlar mit.

  • Energieversorung

    EU-Umweltminister legen Position für Montreal fest

    Bei dem gestrigen Treffen haben sich die EU-Umweltminister auf eine gemeinsame Position für die Klimaschutz-Konferenz Endes des Jahres in Montreal geeinigt. Danach sollen die Klimaschutzziele über 2012 hinaus, dem Ablauf des Kyoto-Protokolls, fortgeschrieben werden.

Top