Debatte

Sachverständigenrat warnt vor Gesetz zu CO2-Speicherung

Die Bundesregierung stößt mit ihren Plänen zur unterirdischen Speicherung von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid bei ihren eigenen Beratern auf massive Kritik. Unterdessen verteidigte der Umweltminister die Speicherpläne der Regierung.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/ddp/red) - Das geplante Gesetz für die Förderung der sogenannten CCS-Technologie führe dazu, dass die unterirdischen Speicher langfristig blockiert würden, erklärte der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) am Donnerstag anlässlich der ersten Lesung des Gesetzes im Bundestag.

"Wir brauchen diese Speicher in Zukunft aber auch für andere Zwecke, etwa den Ausbau erneuerbarer Energien", erklärte der SRU-Vorsitzende Martin Faulstich von der TU München. So hänge es von der künftigen deutschen Energiepolitik ab, ob die unterirdischen Speicher womöglich für Erdwärme, Druckluftspeicherung oder Gasspeicherung gebraucht würden. Auch sei denkbar, dass Speicher freigehalten werden müssen, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen und dort zu lagern.

Statt "übereilten Weichenstellungen" für die Speicherung von Kohlenstoffdioxid sei ein Gesetz nötig, mit dem zunächst die Erforschung der Technik vorangebracht werde. Es müsse Zeit für eine gesellschaftliche Debatte sein. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen berät die Bundesregierung. Ihm gehören sieben Professoren aus verschiedenen Forschungsrichtungen an.

Derzeit testen Energiekonzerne das CCS-Verfahren in Pilotprojekten. Dabei wird aus dem Abgas von Kohlekraftwerken das klimaschädliche CO2 größtenteils herausgefiltert, unter hohem Druck verflüssigt und in unterirdische Hohlräume gepresst. Für die Speicherung kommen in Deutschland leergeförderte Gasfelder oder tiefliegende spezielle poröse Gesteinsschichten in Frage.

Unterdessen verteidigte der Umweltminister die Speicherpläne der Regierung. "Wesentliche Zielrichtung des Gesetzes ist die Bekämpfung des Klimawandels, es soll aber auch einen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit und zur Wahrung der Technologieführerschaft Deutschlands im Kraftwerksbereich leisten", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Der Minister räumte ein, die CCS-Technologie (englisch für Kohlendioxid-Abscheidung und -Lagerung) biete Risiken, betonte aber, CO2-Speicher seien keine dramatische Gefahr, die vergleichbar wäre mit Erdgasspeichern oder Atommüll. Gabriel unterstrich, es handle sich nicht um "einen Königsweg im Klimaschutz". Es sei jedoch unumstritten, dass man die CCS-Technologie brauche.

Auich der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung äußerte in einem Bericht Bedenken. Bei der Verdichtung des Kohlendioxids entstehe ein enormer Energieaufwand. Zudem sei es möglich, dass der umweltschädliche Stoff vor allem bei der Lagerung entweichen könne. Es bestehe daher noch erheblicher Bedarf an Forschung und Entwicklung, bis das Verfahren reif zur großtechnischen Anwendung ist.

Zunächst soll das Verfahren daher auf Kosten der Kraftwerksbetreiber an drei Standorten erprobt werden, ehe es nach Plänen der Bundesregierung ab 2020 kommerzialisiert werden soll. Unter anderem ist vorgesehen, dass die betreibenden Unternehmen auch noch 30 Jahre nach einer Stilllegung der CO2-Speicher für Schäden haftbar gemacht werden können.

Quelle: AFP

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