Warnung

Sachverständige fordern harten Kurs beim Klimaschutz

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) warnt die neue Bundesregierung, Forderungen aus der Wirtschaft nach einer weniger strikten Klimapolitik nachzugeben. Deutschland müsse seine Vorreiterrolle im Klimaschutz beibehalten, forderte SRU-Mitglied Martin Jänicke in Berlin.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Ein Nachlassen beim Klimaschutz hätte nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, es würde den Standort Deutschland auch wirtschaftlich schwächen, betonte er. Die Forderungen der Wirtschaftsverbände BDI und DIHT ignorierten Innovationsprozesse, die durch den Klimaschutz ausgelöst worden seien. Die Kosten des Klimaschutzes würden oft überschätzt, der wirtschaftliche Nutzen hingegen unterschätzt, sagte Jänicke. Durch die derzeit hohen Energiepreise wirke sich der effiziente Umgang mit Energie besonders positiv auf Wachstum und Beschäftigung aus.

Jänicke unterstützte die vom Umweltministerrat der EU vorgeschlagenen Ziele, den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen bei 2020 um 15 bis 30 Prozent und bis 2050 um 60 bis 80 Prozent zu reduzieren. Dazu forderte er von der neuen Bundesregierung, die Emissionsrechte streng zu begrenzen und sich auf EU-Ebene für die Einführung von 4-Liter-Autos einzusetzen.

Die von der Union geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bezeichnete Jänicke als falsch. Dies würde nur den Innovationsdruck mindern und somit den Fortschritt schwächen.

Der SRU besteht aus sieben Wissenschaftlern, die die Bundesregierung in Umweltfragen beraten und die öffentliche Meinungsbildung unterstützen sollen.

Der Naturschutzbund NABU hat die Forderungen des SRU begrüßt. "Wir können sowohl die Analyse als auch die Schlussfolgerungen des Rates voll unterstützen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Es sei zu begrüßen, dass neben einzelnen Politikern nun auch die führenden deutschen Umweltexperten forderten, dass die neue Bundesregierung den Klimaschutz als zentrale Herausforderung begreifen müsse.

Tschimpke wies darauf hin, dass der Stellenwert der Klimapolitik im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger rasant ansteige. "Die Hurrikane Katrina, Rita und die hohen Benzinpreise haben vielen Menschen klar gemacht, dass Themen wie Energieeinsparung und Erneuerbare Energien kein grünes Randthema sondern wichtige Überlebensfragen sind", so der NABU-Präsident."Das polemische Geschwätz über einen Gegensatz von Klimaschutz und Standortpolitik muss endlich ein Ende haben und statt dessen Sachverstand die Richtung bestimmen", sagte Tschimpke im Hinblick auf Äußerungen von Wirtschaftsvertretern und FDP-Politikern in der jüngsten Vergangenheit.

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