Stellungnahme

Saarland lehnt Erhöhung der Tritium-Einleitungen für Cattenom ab

Die Electricite de France (EdF) hat bei der französischen Genehmigungsbehörde die Neuerteilung von Genehmigungen zur Wasserentnahme aus der Mosel sowie für Ableitungen mit der Fortluft und dem Abwasser beim Atomkraftwerk Cattenom beantragt. Dazu hat jetzt auch das saarländische Umweltministerium eine Stellungnahme abgegeben.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Das Saarland lehnt die für das Kernkraftwerk Cattenom beantragten erhöhten Einleitungen von radioaktivem Tritium ab. Das ist eine der Kernaussagen der Stellungnahme, die Umweltminister Stefan Mörsdorf der Bundesregierung zugeleitet hat.

"Wir haben grundsätzliche Bedenken gegen diesen Punkt der Antragsunterlagen", erläuterte Minister Mörsdorf vor der Presse. "Und zwar aus folgenden drei Gründen: Erstens werden die erhöhten Tritiumwerte vorsorglich beantragt, um in einigen Jahren den Abbrand des Kernbrennstoffs zu erhöhen. Solange aber ein solcher erhöhter Abbrand mit allen seinen Folgen nicht genehmigt, ja noch nicht einmal beantragt ist, sollte auch nicht über eine erhöhte Tritiumableitung entschieden werden. Zweitens gibt es technische Möglichkeiten, den Anfall von radioaktivem Tritium zu verringern. Aus den Antragsunterlagen geht leider nicht hervor, ob solche Maßnahmen bereits ausgeschöpft sind. Und drittens hat Cattenom bisher lediglich zwischen 70 und 100 Terabecquerel Tritium abgeleitet. Auch vergleichbare deutsche Atomkraftwerke liegen in diesem Bereich. Wir glauben daher nicht, dass eine Erhöhung des Grenzwertes auf 200 Terabecquerel überhaupt erforderlich ist."

In diesem wie in anderen Kritikpunkten geht die Stellungnahme des Saarlandes/von Rheinland-Pfalz vom sogenannten Minimierungsgebot aus. Das bedeutet, dass so wenig wie möglich radioaktive als auch nicht-radioaktive Stoffe abgeleitet werden. Daher wird in der gemeinsamen Stellungnahme auch die Einleitung von Hydrazin, eines fischtoxischen Stoffes, in die Mosel abgelehnt. "Wir sind der Auffassung, dass sich die Einleitung dieses giftigen Stoffes durch geeignete Verfahren ganz vermeiden lässt", erläuterte dazu Umweltminister Mörsdorf. Auch die beantragte Einleitung von Kupfer und Zink lässt sich nach Ansicht des Umweltministeriums deutlich verringern. Der Betreiber sollte aufgefordert werden, dazu eine Machbarkeitsstudie vorzulegen.

Zur beantragten Einleitung erheblicher Salzmengen in die Mosel fordert das Saarland, die Chlorideinleitung aus dem KKW Cattenom so zu begrenzen oder am Oberlauf zu kompensieren, dass insgesamt keine Erhöhung der Konzentration in der Mosel auftritt. Durch weitere Maßnahmen müsse sicher gestellt werden, dass sich die Mosel durch Kühlwasser nicht stärker erwärmt, als es die Grenzwerte der geltenden EU-Richtlinien zulassen.

Bei aller Kritik in der Sache zog Umweltminister Stefan Mörsdorf nach dem Ende des Offenlegungsverfahrens aber dennoch ein positives Resümee im Hinblick auf die Zusammenarbeit in der Region. "Es ist erfreulich, dass wir sowohl auf der fachlichen wie auf der politischen Ebene mit Rheinland-Pfalz und in wesentlichen Punkten auch mit Luxemburg eine gemeinsame Position zu den beantragten Änderungen für Cattenom erzielen konnten."

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