Noch keine Entscheidung

Saarland gegen französisches Atommülllager in Grenznähe

In Frankreich ist noch keine Entscheidung über einen Standort für ein Endlager für schwach radioaktiven Müll gefallen. Erst in den kommenden Wochen werde eine Vorauswahl möglicher Standortgemeinden fallen. Saar-Umweltminister Stefan Mörsdorf (CDU) sprach sich erneut gegen ein zusätzliches Endlager Grenznähe aus.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Saarbrücken (ddp-rps/red) - Die französischen nationalen Gesellschaft zur Behandlung radioaktiver Abfälle (ANDRA) hatte im Juni vergangenen Jahres eine Vielzahl von Gemeinden mit geologischer Eignung für ein solches Endlager angeschrieben. Darauf hin gingen rund 40 Bewerbungen ein, eine davon aus Baronville, einem Ort im Departement Moselle in Lothringen.

Akzeptanz der Bevölkerung wichtig

Die ANDRA prüfe derzeit die Bewerbungen, sagte die Generaldirektorin der ANDRA, Marie-Claude Dupuis. Eine Vorauswahl von drei möglichen Gemeinden soll in den nächsten Wochen fallen. Neben dem Kriterium der geologischen Eignung soll dabei auch die Akzeptanz durch die Bevölkerung und die Politik eine entscheidende Rolle spielen.

Sowohl Dupuis als auch der lothringische Präfekt Bernard Niquet betonten, man wolle sich keiner Gemeinde "aufzwingen". Nach der Vorauswahl sollen an den ausgewählten Standorten in den kommenden beiden Jahren weitere wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden. Frühestens im Jahr 2013 soll das Genehmigungsverfahren eingeleitet werden. Die geplante Anlage soll etwa 2020 ihren Betrieb aufnehmen.

Interessen des Saarlands berücksichtigen

Parallel zu den geologischen Untersuchungen soll es einen intensiven Informationsaustausch mit der Bevölkerung geben. Dies gelte nicht nur für die direkt betroffenen Gemeinden, sondern auch für deren Nachbargemeinden. Darüber hinaus wolle man auch berücksichtigen, was das Nachbarland sage, kündigte Dupuis an.

Niquet sagte ein größtmögliches Maß an Transparenz und Informationsaustausch auch mit dem Saarland zu. Die Frage, ob Frankreich eine Standortentscheidung auch bei saarländischer Ablehnung treffen würde, ließ er offen. "So weit sind wir noch gar nicht", sagte er mit Blick auf den Zeitplan.

Saarland bereits "überdurchschnittlich strapaziert"

Mörsdorf erneuerte die ablehnende Haltung zu einem zusätzlichen Endlager in der Nähe der saarländischen Grenze. Die Region sei unter anderem mit dem Kernkraftwerk Cattenom und den Erkundungen für ein Endlager für hoch radioaktiven Müll in Bure im Departement Meuse bereits "überdurchschnittlich strapaziert".

Die Ablehnung erfolge nicht nach dem St.-Florians-Prinzip "möglichst weit von uns weg", betonte der Minister. In der Region sei bereits durch die vorhandenen Anlagen ein "nicht unwesentlicher Beitrag zur Entsorgungssicherheit" geleistet worden. Diese Haltung habe er auch schon bei früheren Gesprächen in Metz deutlich gemacht.

Mörsdorf begrüßte aber ausdrücklich, dass die Bedenken der saarländischen Regierung in die Bewertung der Standorte für eine Vorauswahl durch die ANDRA mit eingeflossen seien. Schon die Tatsache, dass ein solches Treffen mit dieser Besetzung in Saarbrücken stattgefunden habe, wertete er als Zeichen, dass die Bedenken ernst genommen würden.

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