Erneutes Beben

Saarland: Bergbaugegner fordern sofortigen Abbaustopp

Nach einem neuen Beben vom Wochenende fordern Bergbaugegner einen sofortigen und kompletten Abbaustopp im saarländischen Steinkohlebergbau. Offenbar könne die RAG nicht dafür garantieren, dass keine Schäden entstünden, teilte die Interessengemeinschaft zur Abwendung von Bergschäden (IGAB) in Saarlouis mit.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarlouis/Saarbrücken (ddp-rps/sm) - Neben einem sofortigen Abbaustopp verlangte die IGAB von der Landesregierung, ein Gutachten über die zu befürchtenden Auswirkungen des Abbaus vorzulegen. Die Interessengemeinschaft kritisierte, man habe der Bevölkerung suggeriert, dass nach dem von der Regierung verkündeten Bergbauende keine weiteren Erdstöße und Schäden zu befürchten seien. Dass dem nicht so sei, hätten die Saarlouiser Bürger am Wochenende erfahren müssen.

Am Sonntagmorgen war es in Hülzweiler zu einer Erderschütterung durch den Kohleabbau im Flöz Grangeleisen gekommen. Nach Angaben der RAG hat das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg dabei einen Wert von 2,5 auf der Richterskala festgestellt. In der nächsten Woche werde der Abbau in dem Streb 20.4 Ost, von dem die Erschütterung ausging, planmäßig beendet, teilte das Unternehmen mit.

Die Förderung im Flöz Grangeleisen war Anfang April wieder aufgenommen worden, nachdem der Abbau in der Primsmulde infolge des schweren Bebens vom Februar komplett eingestellt worden war. Anfang Oktober soll nun - nach dem planmäßigen Förderende in Grangeleisen - die Förderung im Flöz Wahlschied West aufgenommen werden. Dies sei erforderlich, um den kompletten Ausstieg aus dem Saarbergbau bis Mitte 2012 sozialverträglich gestalten zu können, hatten sowohl die RAG als auch die Landesregierung immer wieder betont.

FDP und Grüne unterstützen Forderung

Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich warnte am Montag, auch der Abbau im Flöz Wahlschied West werde zu erheblichen Beeinträchtigungen führen. Die Landesregierung habe aber versprochen, keinen Bergbau zuzulassen, der Gesundheit und Leben der Betroffenen gefährdet. Am Mittwoch wird sich zudem der Landtag auf Antrag der Grünen zum wiederholten Mal mit dem Bergbau befassen.

Der FDP-Abgeordnete Karl Josef Jochem kritisierte, es sei nicht einzusehen, warum der Abbau in dem Streb, von dem das Beben ausging, nun noch ein paar Tage oder eine Woche weiter laufen solle und man damit weitere Beben riskiere, wenn der Abbaustopp dort ohnehin feststehe. Zugleich lehnte Jochem auch einen Abbau im Flöz Wahlschied kategorisch ab.

CDU Fraktionschef Jürgen Schreier hingegen sagte, es sei bekannt gewesen, dass das Flöz Grangeleisen am Ende des Abbaus "nicht unproblematisch" sein könnte. Deshalb sei die Länge der Abbaustrecke bereits auf Betreiben der Landesregierung verkürzt worden.

Die IGAB Reisbach und der Landesverband der Bergbaubetroffenen hatten für Montagabend zu einer Kundgebung gegen den Kohleabbau aufgerufen. Der Protest richtete sich gegen den bevorstehenden Abbau im Flöz Wahlschied unter Reisbach.

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